Von Aline Neißner
04.03.2026 06:30
© Bundesarchiv/Bild 183-54953-0004/Giso Löwe/CC-BY-SA 3.0/CC BY-SA 3.0 DE/Wikimedia Commons
Die B 152 (auch Typ 152 oder Baade 152) war das erste in der DDR entwickelte strahlgetriebene Passagierflugzeug. Konstrukteur war der Ingenieur Brunolf Baade. Gebaut wurde der Prototyp beim VEB Flugzeugwerke Dresden.
Das zweistrahlige Mittelstreckenflugzeug sollte bis zu 72 Passagiere befördern und als Symbol einer eigenständigen DDR-Luftfahrtindustrie dienen. Der Erstflug des Prototyps 152 V1 fand am 4. Dezember 1958 in Dresden statt.
Mit an Bord: Kapitän Willi Lehmann, Copilot Kurt Bemme, Flugversuchsingenieur Paul Heerling und Flugingenieur Georg Eismann.
Am 4. März 1959 startete die 152 V1 zu einem weiteren Testflug. Ziel war es, Flugverhalten und Systeme unter realen Bedingungen zu testen. Außerdem sollte der Flughafen Dresden-Klotzsche für Fotoaufnahmen im Tiefflug überflogen werden.
Augenzeugen berichteten von einem abrupten Sinkflug kurz vor dem Absturz über Ottendorf-Okrilla. An Bord befanden sich die Besatzungsmitglieder des Erstflugs. Keiner der vier Insassen überlebte.
Info für Interessierte: Originalteile der B 152 sind unter anderem im Verkehrsmuseum Dresden sowie in einer Flughafenhalle in Dresden-Klotzsche zur Besichtigung ausgestellt.
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Eine umfassend veröffentlichte offizielle Abschlussuntersuchung existiert nicht. Historische Auswertungen von Archivmaterial und technischen Unterlagen gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammengewirkt haben könnten.
Diskutiert werden unter anderem Probleme bei der Kraftstoffversorgung, mögliche Triebwerksstörungen sowie besondere aerodynamische Eigenschaften des noch nicht serienreifen Prototyps. Ebenso könnten die Piloten zu unerfahren für solch ein Flugmanöver mit einem Düsenjet gewesen sein.
Gesichert ist, dass sich das Flugzeug im Prototypenstadium und in der Flugerprobung unter Testbedingungen befand. Der Absturz ereignete sich während eines Landeanflugs nach einem Testmanöver in geringer Höhe.
Eine eindeutig belegte Einzelursache gilt bis heute als nicht abschließend nachgewiesen.
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Von unseren Mitarbeitern im VEB Flugzeugbau Dresden-Klotzsche wird über den Absturz und die möglichen Ursachen Folgendes mitgeteilt:
Der Start sowie auch der Flug bis zum Absturz kurz vor der Landung verliefen einwandfrei. Die "B 152" befand sich 50 Minuten in der Luft und hatte teilweise eine Flughöhe bis zu 6 000 m. Auch die Funksprechverbindung funktionierte einwandfrei; die letzte Verbindung bestand zehn Sekunden vor dem Absturz, als die Anflugerlaubnis für den Flugplatz erteilt wurde. Irgendwelche Mängel wurden bis zu diesem Zeitpunkt nicht durchgegeben.
Berichten von Augenzeugen aus Ottendorf-Okrilla zufolge, sei der Flug selbst bis kurz vor dem Absturz normal gewesen (die Flughöhe betrug zu diesem Zeitpunkt ca. 400 m), aber aus den Antriebsaggregaten hätten sie Stichflammen (brennende Auspuffgase) gesehen. Ein stärkerer Neigungswinkel zur Erde sei erst kurz vor dem Aufprall festzustellen gewesen. Die Augenzeugen berichten weiter, nur einen einzigen Knall gehört und eine Art Funkenregen mit anschließender Rauchwolke gesehen zu haben, woraus man schließen kann, dass die "B 152" erst durch den Aufprall explodierte. Auch die Tatsache, dass einzelne Teile des vollkommen zerstörten Flugzeuges bis zu einem Umkreis von 400 m in Flugrichtung gefunden wurden, lässt diese Vermutung zu.
Quelle: Wikipedia/Public Domain
Über die Ursachen des Absturzes besteht noch keine Klarheit. Aus dem Abnahmedokument ist ersichtlich, dass die Enteisungsanlage des Flugzeuges noch nicht funktionierte und dass auch noch keine vollständige Bodenabnahme des Flugzeuges erfolgte.
Nach den Begleitumständen zu urteilen ist es auch sehr wahrscheinlich, dass die "B 152" noch nicht 100%ig startklar war und der 2. Probeflug eine überstürzte Maßnahme darstellte.
Die Werkleitung hält eventuell Materialfehler, menschliches Unvermögen (Versagen des Piloten) oder Sabotage für möglich.
