Namenstag
Benedikt, Hildulf, Olga Oliver,
Kalenderblatt
2007 - Das Europaparlament stimmt mit großer Mehrheit für die endgültige Abschaffung des Briefmonopols. Von 2011 an dürfen private Postdienste in der EU auch Briefe unter 50 Gramm überbringen. In Deutschland soll das Briefmonopol 2008 fallen.
1995 - Serbische Truppen unter General Mladic erobern die zur UNO-Schutzzone erklärte bosnische Muslim-Enklave Srebrenica. Etwa 8.000 Jungen und Männer im wehrfähigen Alter werden ermordet. Es ist der größte Völkermord seit dem Ende Zweiten Weltkriegs.
1987 - Laut UNO ist die Zahl der Weltbevölkerung über die 5-Milliarden-Marke geklettert.
1979 - Die amerikanische Raumstation »Skylab« stürzt unkontrolliert auf die Erde herab. Über Südwestaustralien gehen die größten Bruchstücke des Weltraumlaboratoriums nieder. Der Absturz kommt vier Jahre früher als von der Nasa berechnet.
1975 - China meldet den Fund der Grabstätte des ersten chinesischen Kaisers, Qin Shi Huangdi (QinShihuang, 259 v.Chr.-210 v.Chr.). Bereits am 29. März 1974 waren Arbeiter, 25 Km von der alten chinesischen Hauptstadt Xi'an entfernt, auf Teile eine der spektakulärsten Grabstätten der Welt gestoßen - auf die so genannte »Terrakotta-Armee«.
1951 - Die Bundesrepublik wird als 46. Staat in die Unesco aufgenommen. Die DDR wird 1972 Mitglied.
1936 - In Wien unterzeichnen die Regierungen Österreichs und Deutschlands ein Verständigungsabkommen («Juliabkommen»). Deutschland respektiert die Souveränität des Nachbarlandes. Österreich muss aber Nationalsozialisten in seine Regierung aufnehmen.
1920 - Polnisch-sowjetischer Krieg: Die Rote Armee erobert Minsk.
Anderer Blick der Woche
Interview: Frauke Niemeyer
22.06.2026, 19:59 Uhr
(Foto: IMAGO/ABACAPRESS)
ntv.de: Oberst Reisner, in der vergangenen Woche hat die ukrainische Armee täglich teils mit 300, 500 oder noch mehr dokumentierten Drohnen Russland oder russisch besetztes Gebiet angegriffen. Welche Effekte sehen Sie?
Markus Reisner: Erinnern Sie sich an die Sommeroffensive der Ukraine 2023? Damals scheiterte sie mit dem Versuch, mit zwei Angriffskeilen zu Lande bis zum Asowschen Meer vorzustoßen, kombiniert mit Angriffen auf die Brücke über die Straße von Kertsch. Ziel dieser Operationsführung war, die Krim von der Logistik abzuschneiden. Durch derart hohen Druck wollte man Wladimir Putin zu Verhandlungen zwingen.
Das hat damals nicht funktioniert.
Weil es weder gelungen ist, die Brücke über die Straße von Kertsch zu zerstören, noch haben die Landangriffe wirklich Wirkung entfaltet. Heute weiß man, dass der damalige Oberbefehlshaber, General Saluschnyj, Anfang Juni schon vier Tage nach Beginn aufgrund der schweren Verluste die Operation abbrechen musste. Bemerkenswert ist: Jetzt versucht die Ukraine, dasselbe Ziel zu erreichen. Doch jetzt setzt sie Drohnen ein - wir sind endgültig im 21. Jahrhundert angekommen
Welchen Teil des Plans übernehmen die Drohnen?
Sie versuchen, teils durch Künstliche Intelligenz gesteuert, die Logistikrouten auf den Wegen zur Krim zu unterbrechen. Zudem treffen die Ukrainer offensichtlich Vorbereitungen, wieder die Kertsch-Brücke anzugreifen. Die Idee ist dieselbe wie 2023: Es geht um die Isolierung des Großraums Krim von der Versorgung der Russen, um so viel Druck zu erzeugen, dass die Russen verhandeln müssen.
Auf welchem Niveau findet das derzeit statt? Stehen die Ukrainer am Anfang dieses Prozesses oder ist er schon weit fortgeschritten?
Es kursieren Videos, die den Rückschluss zulassen, dass im Schnitt pro Tag 10 bis 30 Fahrzeuge der Russen zerstört werden. Das heißt, im Schnitt gibt es täglich etwa 100 Angriffe. Das erzeugt einen enormen Druck auf die Logistik der Russen.
Sie sagen immer, ein Ergebnis wird erst dann zum Erfolg, wenn es messbar ist. Wirken sich die Zerstörungen schon spürbar aus?
Es lässt sich nicht genau sagen, wie groß auf russischer Seite der tatsächliche Bedarf an Treibstofflieferungen auf die Krim ist. Erkennbar ist jedoch, dass Treibstoff auf der Halbinsel bereits rationiert wird und für Zivilisten nicht mehr zugänglich ist. Aus meiner Sicht sind die abgefangenen Treibstoffkonvois also in ihrer Menge bereits signifikant, das ist messbar schmerzhaft für die Russen.
Derzeit wird viel vom Drohnentyp Hornet gesprochen. Kommt der bei diesen Angriffen zum Einsatz?
Wir unterscheiden zwischen Drohnenangriffen auf strategischer Ebene, also gegen weit entfernte Ziele wie Raffinerien, Energieanlagen oder gegen Moskau, und operativen Angriffen, etwa gegen die Krim-Versorgung. Bei Letzteren kommen sogenannte Mid-Range-Systeme zum Einsatz, wie auch die Hornet. Sie ist mit KI bereits in der Lage, Ziele selbstständig zu erfassen und sich in diese hineinzustürzen.
Dabei soll sie spottbillig sein.
Mit etwa 5000 Dollar Kosten pro Stück ist die Hornet tatsächlich relativ billig herzustellen und das in hohen Stückzahlen. Das ermöglicht es den Ukrainern, diesen Druck aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Ich zeige Ihnen ein Video, auf dem der Angriff einer Hornet zu sehen ist, dem ein russischer Lkw im letzten Moment ausweicht. Die Hornet ist eine Kooperation zwischen internationalen Unternehmen und einer ukrainischen Drohneneinheit, die sich Wild Hornets, also Wilde Hornissen, nennt. Eine ähnliche Entwicklung wie bei den Hornets sehen wir übrigens auch auf strategischer Ebene. Dort gab es in den vergangenen Tagen mehrere Wellen von schweren Angriffen mit mindestens 300 Drohnen pro Tag. Das hat einen riesigen Unterschied gemacht.
Woher nimmt die Ukraine diese Fähigkeit, gerade jetzt diese Unterschiede zu machen?
Was hat Schmidt gemacht? Investiert?
Er wird vor allem als Investor im Hintergrund tätig gewesen sein. Aber es wird auch einen Auftrag von US-Präsident Donald Trump an Leute wie Schmidt, Palantir-Chef Alex Karp und andere geben, sich der Unterstützung der Ukraine anzunehmen. Nachdem das US-Militär mit Blick auf Abnutzungskrieg und Waffenlieferungen offensichtlich an seine Grenzen gekommen ist, erkenne ich hier die Handschrift der sogenannten Tech-Bros von Trump. Elon Musk hat dabei mit Starlink schon früh den Anfang gemacht.
Da ist die Abhängigkeit von den US-Firmen sehr direkt, oder?
Wie versuchen die Russen, sich anzupassen?
Sie bauen weitere Brücken, also Pontonbrücken, auf die Krim. Damit versuchen sie, ihre Versorgungslinien dezentraler zu gestalten. Sie eskortieren auch Konvois, tarnen Transporter mit Zebramuster, um die Bilderkennungssoftware der Drohne zu stören. Tanklaster werden als Holztransporter getarnt, mit aufgemalten, aufeinandergestapelten Baumstämmen über den Tanks. Aber die Russen kämpfen gegen KI, das ist das wirklich Bemerkenswerte.
Und die erkennt den Täuschungsversuch?
Laut Aussage von ukrainischen Kameraden, mit denen ich gesprochen habe, übernimmt der Mensch, wenn die KI die Täuschung nicht erkennt. Das ist durch Starlink möglich. Der Drohnenpilot kann die Drohne immer noch steuern, wenn er das will. Er überwacht den Angriff noch, das nennt man human on the loop. Der Mensch kann also auch noch Einfluss nehmen.
Und die russische Abwehr funktioniert dann nur bedingt?
Mit dem Versuch, die wichtigsten Brücken im Norden der Krim zu unterbrechen, sind die Ukrainer recht erfolgreich. Die drei wichtigsten Brücken - bei Armiansk, Henichesk und Chongar - sind erheblich beschädigt. Das große Problem der Ukraine war immer, ihre Entwicklungen im großen Stil zu skalieren, also große Stückzahlen zu erzeugen. Das hat sich geändert. Seit dem 18. Juni haben wir mindestens fünf große Angriffswellen auf russisches Territorium erlebt mit mehr als 300 oder sogar 500 Drohnen. Das zeigt: Die Ukraine ist in der Lage, mit ihren Verbündeten so große Stückzahlen von Drohnen zu erzeugen, dass sie eine umfängliche Offensive auf der strategischen und auf der operativen Ebene vortragen kann. In der Domäne Luft und nahezu ausschließlich mit Drohnen.
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