Willkommen in Sachsen, am 08.09.2026
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08. September
Namenstag
Adrian, Gongon, Korbinian, Maria, Ottmar, Petrus,

Kalenderblatt

8. September: - Das Fest Mariä Geburt erinnert an die Geburt der Gottesmutter Maria; es wird genau neun Monate nach dem 8. Dezember begangen. Für die Bauern galt der Termin als Herbstbeginn: »Um Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt, bleiben sie noch da, ist der Winter noch nicht nah.« Und es war der Tag, an dem die Aussaat des Winterkorns begann.


2023 - Der Bundestag beschließt das umstrittene Heizungsgesetz. Es soll zunächst nur für Neubauten gelten.


2009 - 64 Jahre nach Kriegsende rehabilitiert der Bundestag die sogenannten Kriegsverräter der Wehrmacht. Einstimmig votieren die Abgeordneten dafür, entsprechende NS-Unrechtsurteile aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs pauschal aufzuheben.


2005 - Im Beisein von Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder unterzeichnen die Vorstandschefs der deutschen Energiekonzerne Eon und BASF und des russischen Gazprom-Konzerns ein Abkommen über den Bau einer Erdgas-Pipeline durch die Ostsee (»Nord Stream«).


1994 - Die Streitkräfte der drei West-Alliierten Frankreich, Großbritannien und USA werden offiziell aus Berlin verabschiedet.


1960 - Das Innenministerium der DDR verhängt ein Einreiseverbot für Bürger der BRD nach Ostberlin. Enreisen sind künftig nur noch mit einer Sondergenehmigung möglich. Am 30. September kündigt die Bundesrepublik Deutschland daraufhin das 1951 geschlossene Interzonenhandelsabkommen.


1955 - Auf Einladung der sowjetischen Führung hält sich eine deutsche Regierungs­delegation vom 08.-14. September 1955 in Moskau auf. Konrad Adenauer erreicht die Rückkehr der letzten 9.628 Kriegsgefangenen und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. In der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands gehen die Ansichten beider Seiten zu weit auseinander.


1944 - Von der französischen Kanalküste aus werden erstmals V2-Raketen auf England abgefeuert.


1943 - Die deutschen Schlachtschiffe Tirpitz und Scharnhorst beschießen im Zweiten Weltkrieg Barentsburg auf Spitzbergen. Das „Unternehmen Sizilien“ endet mit der völligen Vernichtung der dortigen alliierten Stützpunkte.


1941 - Im Zweiten Weltkrieg wird Leningrad (heute St. Petersburg) von der deutschen Armee eingekesselt und von allen Landwegen abgeschnitten. Damit beginnt die mehrjährige Blockade der Stadt.


1926 - Der Völkerbund beschließt in Genf einstimmig, Deutschland aufzunehmen. Der Völkerbund hatte nach dem 1. Weltkrieg den Friedenhaft dauerhaft zu sichern. 1945 wurde der Völkerbund aufgelöst.


1565 - Spanische Siedler gründen in Florida die Kolonie St. Augustine. Sie gilt als älteste noch bestehende europäische Siedlung auf dem Gebiet der heutigen USA.


The day of memory
Im Jahr 2026 feiern wir den 75. Hochzeitstag unserer Eltern.

Eltern gehn fort ohne laut


Das, was war, scheint ewig lange her.
Geschichte bleibt, die nimmt uns keiner mehr.
Das Leben spielt auf Zeit
Kommt, tötet und heilt
Das, was war, ist unveränderbar
Und mir wird wieder klar.
Winde dreh’n, Menschen geh’n
Was war, kann uns keiner mehr neh’m

(Text: Frank Ramond)

Überall kann man lesen, Eltern müssen lernen ihre Kinder loszulassen.
Wie ist es andersrum? Hinterher kommen Gedanken: Hat man sich immer richtig verhalten?
Warum ist es manchmal so schwer, einen Wunsch zu erfüllen, auch wenn es nervt und gerade absolut nicht passt.

Es ist die letzte Generation, welche die Jahre 1939 - 1945 noch ganz nah erlebt hat. Auch die Jahre danach: Aufbau eines Trümmerfeldes. Wer sich näher mit dieser Zeit befasst, kann gar nicht genug Hochachtung vor der Leistung dieser Generation haben. Viele werden bestätigen: Darüber haben die Eltern nicht geredet. Wir Kinder hätten es müssen.

Eine Pflegerin sagte zu mir: "Eine Mutter kann fünf Kinder versorgen - fünf Kinder können keine Mutter versorgen." - Wir haben es versucht.

Diese Seiten sollen eine, wenn auch späte, Anerkennung an eine ganze Generation, speziell meiner Eltern, sein.
Es gibt keinen roten Faden, es ist eine Zusammenstellung von gefundenen Dokumenten und Schriftstücken aus dem Nachlass.


1,5 Jahre vor der Hochzeit - der Verlobungsring ist zu sehen,
es gehörte sich so.
Eine Ehe hält ein Leben, damals keine leeren Worte
fülr Menschen, die Krieg, Leid, Vertreibung am eigenen Leib erlebt haben.

Ein Rückblick auf 50 Jahre "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten".

08.09.2001

Am Tag unserer Hochzeit brachte man Kurt das erste Mal aus der Ruh,
der Fahrer kam mit dem Auto nicht hinzu.
Er dachte, die fangen in der Kirche ohne ihn an,
was denkst du bloß - Mann?
Der Anfang sollte zwar dann nicht so gelingen,
ich musste die Flitterwochen in der Klinik verbringen.
Und wieder Mal war es mir gelungen
und war dem Tod von der Schippe gesprungen.
Jemand hatte da falsch gewettet,
eine OP hat mir das Leben gerettet.

Ein Jahr später dann
meldete sich das erste Baby an.
Doch dieses hatte sich vorgenommen,
früher als üblich auf die Welt zu kommen.
All die Angst, die Sorge und die vielen Schererein um das kleine ungeborene Wesen
waren nach wochenlanger Mühe umsonst gewesen.

Und trotz der vielen Jahre die nun schon vergangen sind,
fragt man sich jetzt manchmal noch: was wäre geworden aus diesem Kind.
Doch wir gaben nicht auf, wir wollten es wissen,
und 1,5 Jahre später lag B....... in den Kissen.
Sie hatte dann mal ein Lieblingswort
und sie sagte es oft und an jedem Ort.
Doch als mal jemand da war, sagte sie mir ins Ohr ganz leise:
"Wenn Leute da sind, sagt man nicht Sch......"

Der Dritte das war J...... und der stellte sich gleich hilfsbereit an.
Er kam eine Woche früher, damit ich zum Heimatfest wieder zu Hause sein kann.
Sein Spielzeug waren unter anderem oft die Töpfe und er hatte es immer erfasst,
er wusste genau, welche Stürze zu welchen Töpfen passt.

Als Letzter kam dann noch K..... Und dem fiel ein,
komm ich nur einen Tag früher als geplant, kann ich wie meine Schwester ein Sonntagskind sein.
Als kleiner 3-Käsehoch sang er oft
das damals bekannte Lied: Ich sah ein schönes Fräulein im letzten Autobus.

Inzwischen waren wir auch das zweite Mal umgezogen und wir mussten, es machte uns fast gar nichts aus,
zu bestimmten Geschäften eine halbe Runde ums Haus.
Auf den Weg dahin war es abends sehr finster und ich fürchtete mich oft,
habe lange auf eine Veränderung gehofft.
Doch nach etwa 20 Jahren, und das freute uns sehr,
brauchten wir um dahin zu kommen, keine Gummistiefel mehr.
Diesen Ort vom Inneren des Hauses zu erreichen, war einfach Spitze.
Es störte uns weder Regen noch Hitze.

Der Berg im Garten, für uns nicht so günstig, jedoch zur Freude der Kinder,
da konnten sie Schlitten und Schneeschuh fahren, denn da gab`s noch Schnee im Winter.

Auch einmal im Jahr in den Urlaub fahren war drin,
wir waren u.a. in Ferch, an der Ostsee und in Berlin.
Die DR machte es möglich, wir fuhren mit dem Zug umsonst,
da war es auch keine Kunst.
Auch konnte es mir einmal gelingen, einen FDGB-Platz für fünf Personen, zu eringen.
das war nicht so leicht, aber ich hab`s erreicht.

Auf`s Reisen ist jetzt Kurt nicht mehr so gestellt,
und er glaubt, dass er damit recht behält.
Er gibt nämlich an, dass man nicht immer "draußen rumziehen" kann.
Und wenn er mal wohin fährt in seinem Leben, muss es auch was ganz besonderes geben.
Und überall, so sagt er, kann man es sehen, dass die Hunde barfuß gehen.

Und eines Abends, wir staunten nicht schlecht, denn da hatte
sich in der Schlafstube verirrt eine Ratte.
Nun ging bei uns allen die Jagd los, doch selbst mit den schärfsten Waffen,
wie Ofenhaken, Besen und Schrubber war es nicht zu schaffen.
Das arme Tier zitterte vor Angst, ihm war bange.
Es floh hinter den Schrank, zwischen die Betten und auf die Gardinenstange.
Alles war vergeblich, so konnte es nicht weiter gehen, das sahen wir ein.
Drum holten wir die Katze von den Eltern herein.
Die erledigte in ein paar Minuten mit Leichtigkeit,
wofür wir uns bemühten die ganze Zeit.

Drum hat sich J...... vorgenommen, einmal auf den Hund zu kommen.
Doch der arme Kerl lebte nur kurze Zeit,
das tat uns allen sehr leid.

Kater Kuno wurde eines Tages auch vermisst,
wir wissen nicht was mit ihm geschehen ist.
Auch Susi und Lili hatten bei uns keine lange Bleibe,
ein Auto überfuhr sie, alle Beide.

Doch einmal in unserem Leben,
hat es auch einen Fall XY ungelöst gegeben.
Da hatte sich einer ins Haus eingeschlichen.
Wir hörten ihn nur und sahen seinen Schatten,
dabei konnte er uns ungesehen entwichen.
Bis heute wissen wir nicht,
wer dieser Jemand gewesen ist.

Dann kam der Bau mit viel Ärger und Verdruss,
doch auch damit war einmal Schluss.
Denn fünf Jahre mussten wir auf einer Baustelle leben,
ja so war das eben.
Doch gleich am ersten Tag, beim Einzug, da ging etwas schief
weil in der Küche am Abfluss nichts lief.
Es blieb uns also nicht erspart,
der Keller wurde wieder aufgebohrt.

Das war ein Streifzug durch fünf Jahrzehnte.
Doch eins wonach ich mich immer sehnte,
was keiner verstand und mancher das nur lächerlich fand,
wo ich anfangs gehofft, dass dies noch mal wird.
Doch ich hatte mich immer wieder geirrt.
Beschwerden jeder Art halfen nicht,
sie wurden mit eine Handbewegung weggewischt.
Es sollte mir eben nicht gelingen,
mit meinem Mann mal das Tanzbein zu schwingen.

K... und I... zur Goldenen Hochzeit

von Günther Reiche

Wenn zwee-e, die seit 50 Jahrn 
sich täglich liegen in den Haarn,
dann feiern tun ooch noch ganz groß,
sind wir dabei, denn da's was los.
Und Feste, wissen wir von allen,
soll mer feiern wie se fallen.
Schließlich sind wir schon erschienen
vor 50 Jahren bei der Grienen.
Freilich warn wir damals jünger
und keene so verwelkten Dinger,
voll im Safte, ei verbibsch,
standen wir, und wir warn hübsch!
Ich weeß, wir haben den Rest der Nacht
im Heu der Scheune zugebracht.
Heute könn mir unsre Massen
hier im Haus ins Bett falln lassen.
So tun sich ändern ebn die Zeiten
nicht nur für uns - bei allen Leuten.

Wenns nu um die Familche geht  
mit hoher Produktivität,
willste da die Köpfe zählen,
kannste dich ganz scheene quälen:
Een Weib, zwee Kerle, das ist klar,
warn de erste Kinderschar.
In zweeter Lienche kamen dann
zwee Kerle und zwee Weibsen an.
Inzwischen ist ganz off de Schnelle
De dritte Garnitur zur Stelle.
So isses für de Menschheit gut,
wie se sich vermehren tut.
Und jeder kann sich selbst ausmalen,
wie viel die einst an Rente zahlen.
Die sehn in ihres Lohnes Tüte
nur die Rentenpyramide.
Wobei das, wie Ihr alle wisst,
Musik aus ferner Zukunft ist.
Ausgedacht hat das ein schlauer
Rentenpyramidenbauer.
Ob die einst einstürzt, weeß ich nich. 
Rauchen doch ganz fürchterlich
viele Frauen hier auf Erden.
Wie alt werden die wohl werden?
Komm mer nu zurück zur Sache,
wobei ich mir Gedanken mache:
Für den K... und für die I...
Gibt es nich so viele Dinge,
die sich als attraktiv erweisen
und täten se vom Stuhle reißen.
So hocken se nur schief un krumm
gemiedlich vor der Glotze rum.
Un manchmal fang se an zu spinn':
Se kenntn ne Million gewinn'.
Dann wieder saachen se zu sich:
"Ne, soviel Geld, das brauch mer nich!"
E Gläschen Bier, e Hering, sauer,
befriedigt se auf längre Dauer.
Und tut mer se emol besuchen,
wird mer bewirtet mit viel Kuchen.
Da stehn drei Torten aufn Tisch,
und I... sagt; "Mehr hab ich nich!"
So zeichte se zu jeder Zeit
Gastfreundschaft und Bescheidenheit.
Ihr guter Wech zu stetem Glick:
Schraub deine Ansprüche zurick.
Das ham die zwee-e stets gemacht,  
drum harn ses ooch so weit gebracht.
Zufrieden blicke se zurick
off 50 Jahre Eheglick.
Statt in der Welt herumzufliechen,
im Garten se nach Schnecken kriechen.
Danach sin se genau so sauer,
wie die off der chineschen Mauer.
So brauchn se nich anzugebn,
wo se gewesen sin im Leben.
Mallorca, Sudan, Gardasee,
Kenia, Bali, Argentienchen,
Australien, Känghurus, Kaninchen.
Stattdessen warn se schon sehr balde
In Biensdorf mal und Auerswalde.
So ham se ooch de Welt gesehn.
Bescheidenheit machts Leben scheen.
Ich meen, dass sies in ihrem Haus
noch halden eine Weile aus.
Das wünscht wohl jeder hier im Raum.
Ich bin am End. Man glaubt es kaum.

Ich ertrage es nicht mehr, wie man sich in den alten Ländern nach wie vor den Kopf über unser Leben in der DDR zerbricht. Was maßen sich dortige Politiker und Journalisten an. die Vergangenheit der DDR-Bürger "aufzuarbeiten"? Sie sollten sich auf die fragwürdigen Aspekte ihrer eigenen Geschichte beschränken, statt uns ein schlechtes Gewissen einzureden.

gelebte Leitsprüche unserer Eltern
Dieses Schriftstück fand ich im Nachlass. Es ist nicht bekannt aus welchem Anlass, oder wann es geschrieben wurde. Unbekannt ist auch, ob es jemals abgeschickt wurde. Es wurde wörtlich abgeschrieben, incl. aller grammatischen Fehler. Sie zeigen doch den Gemütszustand im Moment des schreibens. Zur zeitlichen Einordnung: Die Hochzeit meiner Eltern war im Herbst 1951.

Vielleicht ist mein Beitrag zu diesem Thema nicht ganz passend, ich will mich aber trotzdem dazu äußern.

Es gab eine Zeit, da beneidete ich alle Frauen, die unproblematisch das erste Kind bekommen konnten.

Gleich nach der Hochzeit hatte ich eine Bauchhöhlen- bzw. Eileiterschwangerschaft. Nur wer es selbst erlebt hat, kann erfassen, was das bedeutet.

Nach einem Jahr war ich wieder schwanger und hatte eine schreckliche Angst, dass dasselbe mir wieder passiert. Überglücklich war ich, als mir beim ersten Artztbesuch gesagt bekam, dass es eine ganz normale Schwangerschaft sei. Doch das ging nicht lange. Im dritten Monat musste ich wegen drohender Fehlgeburt in die Klinik und wurde noch gefragt: "Ein bisschen nachgeholfen?"

Da ich aber sagte, dass wir das Kind gern wollten, wurde mir eine Tablette eingenäht damit die Schwangerschaft hält. Es bruhigte sich auch sehr schnell, ging aber nur zwei Monate, ich bekam Blutungen und musste wieder rein, nach vier Wochen dasselbe und das vier Tage vor Weihnachten. Und weil immer wieder dasselbe eintrat, musste ich auch dort bleiben.

Vier Wochen lag ich in der Klinik, dann war es nicht mehr aufzuhalten und mein Kind kam Anfang siebenter Montat zur Welt. Es wog 1050g und lebte einen Tag. Ich war todunglücklich, die Zeit war schrecklich danach. Nach meinen traurigen Erlebnissen werden Sie verstehn, dass ich ein Gegner bin von Abtreibungen.

Ich wollt aber noch nicht aufgeben und nach 13/4 Jahr durfte ich glücklich ein gesundes Kind in meinem Arm halten, ich konnte es kaum fassen, dass mir dieses vergönnt war.
Hatte dann sogar drei Kinder und sah sie immer als Geschenk an.

Es mag sein, dass es manchen Frauen unmöglich ist, ein Kind zu haben, bei manchen ist es aber auch leichtfertige Bequemlichkeit oder was es auch sonst noch sei.

Ich hätte selbst noch über 40 ein Kind nicht abgetrieben und konnte Frauen nicht verstehen, die ihr Kind nicht wollten. Am meisten empört es mich, wenn ein Mann eine Frau dazu zwingt.


Jetzt ist ein Schreiben aufgetaucht, welches zwar nicht den Anlass nennt, aber doch an wen das Schreiben ging.
Es war die damalige Bundestagspräsidäntin Rita Süssmuth. Die Antwort hat nicht sie selbst geschrieben, sondern durch ihr Büro schreiben lassen (man hätte können ja wenigstens persönlich unterschreiben). Der Inhalt ist fade und manchmal peinlich. Man hat den Eindruck, es wird das Parteiprogramm dargelegt. Den Brief habe ich nicht abgeschrieben, sondern eingescannt und kann hier als PDF-Datei nachgelesen werden.

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit
ein bisschen mehr Güte und weniger Neid
ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass
ein bisschen mehr Wahrheit - das wäre was

Statt so viel Unrast, ein bisschen mehr Ruh
statt immer nur ich, ein bisschen mehr du,
statt Angst und Hemmung, ein bisschen mehr Mut,
mehr Kraft zum Handeln - das wäre gut.

Kein Trübsal und Dunkel, ein bisschen mehr Licht,
kein quälend Verlangen, ein froher Verzicht,
und viel mehr Blumen, so lange es geht,
nicht erst auf Gräbern - da blühn sie zu spät.

"Keine Zeit" - eine faule Ausrede

Doch auch das, so erfuhren wir bei unseren Gesprächen, gibt es leider noch: mangelndes Verständnis der Kinder für ihre alten Eltern, Egoismus, Herzlosigkeit. Dafür gilt keine Entschuldigung.

Man schreibt`s nicht gerne auf, doch man darf die Augen nicht davor verschließen: In so manchem Alters- oder Pflegeheim, in so mancher Wohnung, in der es still geworden ist, sitzen Eltern und warten von einem Wochenende zum anderen vergeblich darauf, dass ihre Kinder sie besuchen oder sie einladen. Es geht ihnen um nichts anderes als ein wenig Zuwendung, um ein kleines Echo für die Liebe, mit der sie ihre Kinder aufgezogen und erzogen haben in schweren Zeiten. Gewiss, der Beruf, die Kinder, Haushalt und gesellschaftliche Arbeit fordern umsichtiges Planen der Freizeit. Dennoch ist die "Entschuldigung", sie hätten keine Zeit für die Eltern, eine beschämende Ausrede: "Die jungen Leute von gegenüber kümmern sich doch um mich", erzählt Gerhard N., 70 Jahre. "Sie sind hilfsbereit, und ihre Kinder besuchen mich oft. Die wollen immer, dass ich ihnen 'was von früher' erzähle. Wie schade, dass ich meine eigenen Enkel nicht auch so um mich habe...".

Ja, es ist schade. Was geht ihnen alles verloren! Selbstverständlich stecken viele Großeltern ihren Enkeln gern zwischendurch einen Bonbon zu - aber sie können ihnen, was viel mehr zählt, auch so manches Licht aufstecken. Sie vermögen auf ganz besondere Weise das Geschichtsbild der Kinder mitzuformen. Und außerdem: Das im Elternhaus erlebte Beispiel im Umgang mit älteren Menschen prägt schließlich auch Moralauffassungen und Verhaltensweisen unserer Kinder.

"Junge Menschen werden darüber sicher noch nicht so nachdenken", sagt Olga A., 69 Jahre, Rentnerin, "aber dass die Gesellschaft unsere jahrzehntelange Arbeit anerkennt, dass sie dem Alter mit Achtung begegnet, ist eine Gewissheit, die man gar nicht hoch genug schätzen kann: Doch es gibt leider auch erwachsene Kinder, die sich ganz und gar darauf verlassen."

Und wenn`s ein Brief ist

Wieviel Liebe brauchen Kinder? ist eine oft diskutierte Frage. Und wieviel Liebe brauchen Eltern? "Die Familien meiner Söhne wohnen im Bezirk Dresden. Ich besuche sie höchstens dreimal im Jahr. Trotzdem fühle ich mich nicht von ihnen vergessen. Meine Schwiegertöchter schreiben mir oft, erzählen mir von den Enkelkindern. Wenn Ferien sind, habe ich meist eins der Enkelkinder für vierzehn Tage zu Besuch. Darauf freue ich mich das ganze Jahr." Was Grete M., 65 Jahre, Rentnerin, damit ausspricht, sind Ansprüche an junge Familien, die sich ohne Anstrengung erfüllen lassen. Ein Brief, der - aus welchen Gründen auch immer - wochenlang ungeschrieben bleibt, beschwört Kummer herauf. Ein Schnell-mal-Vorbeigehen, wenn man in einer Stadt wohnt, kann mehr bedeuten, als ein teures Geschenk zu Weihnachten.

REGINA SINDERMANN

Zeitschrift "Für Dich" 50/77

Staunen können

Manchmal bedauere ich, dass ich nicht mehr staunen kann wie ein Kind. Daran, daß ich es immer weniger kann, merke ich, dass ich alt werde. Es gab eine Zeit, da beeindruckten mich die nie zur Ruhe kommenden Wasser eines Baches, die Größe eines Berges, die Kraft eines Motors. Beim ersten Kuß bekam ich Herzklopfen, beim fünften war ich schon viel abgebrühter. Zur Übertragung der ersten Mondlandung standen wir nachts auf. Bei der dritten bereits blieb der Fernseher kalt, der Schlaf war wichtiger.

Die Informationen über elektronische Datenverarbeitung faszinierten mich. Heute vergleiche ich die Preise der Taschenrechner in den verschiedenen Kaufhäusern. Als zum ersten Mal eine Aktion "Brot für die Welt" durchgeführt wurde, haben mich die Bilder und Zahlen erschüttert, inzwischen bin ich nur noch betroffen.

Viele Leute sagen, man gewöhnt sich an alles. Aber ich möchte mich nicht an alles gewöhnen, nicht mit allem abfinden. Bloß - wie mache ich das? Aus Wiederholung wird so schnell Gewöhnung, aus meinem Alltag leicht Routine. Fast alles ist schon einmal dagewesen. Neugierde verschwindet, Langeweile zieht ein. Wie soll einer staunen, der alles schon kennt? Wie soll sich einer wundem, der den Zweck und die Preise weiß? Wie soll man ein Geheimnis stehen lassen, wenn man zu wissen meint, wie es funktioniert? "Wunder gibt es immer wieder" - das gilt wohl leider nur für den Schlager. In unserer Wirklichkeit haben die Planer das Wort, die Macher, die, die das Vorhersehbare, das Vorausberechenbare kühl angehen. Wir planen kurzfristig, mittelfristig, langfristig.

Von einem Mann der Stadtverwaltung habe ich mir sagen lassen: Unter mittelfristig versteht man alles bis in etwa 20 Jahren. Überraschungen sollen dabei möglichst ausgeschlossen bleiben. Wunderbares ist nicht planbar. Was also soll einer machen?

Vielleicht fängt das Staunen damit an, dass ich erkenne, wie wenig ich letzten Endes weiß und kann. Ich weiß nicht, was einen Weizenhalm zum Wachsen bringt oder warum ein Mensch einen anderen mag. Ich habe eigentlich keine Worte zur Verfügung, um zu beschreiben, wie ein Apfel schmeckt, oder wie ein Veilchen riecht.

Ich weiß noch mehr nicht. Es gibt einen alten Vers, der lautet: "Ich komm, ich weiß nit woher. Ich bin, ich weiß nit wer. Ich geh, ich weiß nit, wohin. Mich wundert, dass ich fröhlich bin". Ich sollte - ich könnte mich über vieles wundern. Weil das Wichtigste nicht machbar ist, vielleicht nicht einmal verstehbar. Ich könnte staunen über die Freundschaft meiner Freunde und die Liebe meiner Frau. Ich könnte staunen über den Mond und das Meer, über den Geschmack des Brotes und das Aussehen einer Blume. Ich könnte staunen über den alten Mann, der seit Jahren seine kranke Frau pflegt, ohne zu klagen.

Ich könnte staunen über die Unbekümmertheit, über den Mut, mit dem junge Menschen neue Lebensformen ausprobieren. Ich könnte auch staunen über die Schönheit einer Musik, die leuchtenden Farben eines alten Bildes, die Einfachheit eines Gedichtes, das sich in 200 Jahren nicht abgenutzt hat. Wenn ich lerne, über das zu staunen, was Menschen geschaffen haben, werde ich vermutlich auch staunen, wie groß Gott ist, der Sie und mich geschaffen hat.

Ich denke, dass mein Leben nicht ärmer, sondern reicher wird, wenn ich merke: Es sind da noch einige Geheimnisse, die ich nicht enträtseln muss und nicht verstehen kann. Ich denke, dass ich weniger oberflächlich lebe, wenn ich es fertig bringe zu staunen.

Friedrich Walz

Dies sind die Zimmer
Alles an seinem Platz
Die Sachen in Reih und Glied

Dies sind die Zimmer
Und sie sind nicht mehr

Dies sind die Zimmer
Darin haben sie gelebt
Briefe geschrieben am Abend

Sehnsucht an die Wände
Bunte Plakate und Fotos
Auf vielen das Leben

Dies sind die Zimmer
Und sie sind nicht mehr

Fort, fort viel zu früh
Mitten aus dem Leben
Leben nie mehr nie
Dies sind die Zimmer
Und sie sind nicht mehr

(nach "electra" - Beschreibung eines Zimmers)


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© infos-sachsen / letzte Änderung: - 09.08.2025 - 18:17