Namenstag
Answer, Arnold, Arnulf, Friedrich, Odilia, Radegund
Kalenderblatt
2009 - Bei einem Erdrutsch versinken in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt ein Doppelhaus sowie die Hälfte eines weiteren Mehrfamilienhauses in einem Bergbau-See. Drei Menschen kommen ums Leben.
1942 - Der erste in Serie gebaute Düsenjäger, die Messerschmitt 262, macht ihren Jungfernflug.
1938 - Spitzname "Wrong Way": Flugpionier Douglas Corrigan will von New York nach Kalifornien - und landet in Irland.
1925 - Adolf Hitler (1889-1945) veröffentlicht den ersten Band von »Mein Kampf«. In dem Buch, geschrieben während seiner Festungshaft, beschreibt er sein radikales politisches Programm. Es beinhaltet alle Elemente der nationalsozialistischen Ideologie und des Rassenwahns.
1924 - Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gründet in Halle/Saale ihre eigene Wehrorganisation, den Roten Frontkämpferbund (RFB).
1898 - Pierre und Marie Curie stellen das neue Element Polonium vor.
1877 - Thomas Alva Edison gelingt zum ersten Mal eine Tonaufzeichnung auf einer mit Stanniol bespannten Stahlwalze (Phonograph).
1870 - Papst Pius IX. verkündet auf dem »Ersten Vatikanischen Konzil« das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes. Die vom Papst als Amtsperson verkündeten Entscheidungen in Glaubens- und Sittenfragen werden dadurch als unfehlbar und unabänderlich angesehen.
64 - Rom steht in Flammen. Kaiser Nero, der in Verdacht steht, den Brand selbst gelegt zu haben, macht die Christen dafür verantwortlich und lässt sie verfolgen.
Anderer Blick der Woche
von Sebastian Lange
Redaktor NZZ Deutschland
09.07.2026, 04.30 Uhr
3 Leseminuten
Vergangene Woche hielt der Busfahrer einer öffentlichen Verkehrsgesellschaft in Bayern an einer Haltestelle, fuhr aber nicht gleich weiter. Stattdessen ging er nach hinten in den Bus, um zu beten. Die Türen blieben geschlossen, die Fahrgäste saßen nach Medienberichten verunsichert da, bis die Fahrt nach mehreren Minuten weiterging.
Die Stadtwerke Landshut teilten anschließend mit, sie respektierten die Religion ihres Mitarbeiters - während der Fahrten habe er aber ausschließlich seine dienstlichen Aufgaben wahrzunehmen. Damit unterstrichen sie eine Selbstverständlichkeit. Ganz im Gegensatz zum muslimischen Fahrer, der das offenkundig anders sah.
Man könnte den Fall als Petitesse abtun. Das große Echo auf den Vorgang, über den zahlreiche Medien berichteten, zeigt aber, dass es dabei nicht bloß um ein arbeitsrechtliches Kuriosum geht, sondern dass ein Nerv getroffen wurde. Der zunehmend offensiv vertretene Dominanzanspruch einer Religion trifft auf eine tolerante, aber verunsicherte Gesellschaft.
Diese freiheitliche Gesellschaft sollte konsequent Grenzen ziehen, das belegt der Fall des Busfahrers beispielhaft: Denn das Recht auf freie Religionsausübung wird durch die Rechte anderer begrenzt. Es kann niemals absolut gesetzt werden.
Im Fall des Busfahrers sind die Auswirkungen zwar überschaubar, in anderen Fällen aber sind sie es nicht. Sie sind es nicht, wenn ein homosexueller Lehrer in Berlin von muslimischen Schülern jahrelang gemobbt wird. Wenn sie seinen Unterricht boykottieren, weil der Lehrer "unrein" sei.
Thomas Trutschel / Imago
Besonders heikel wird es, wenn es gar Islamisten sind, welche die Freiheiten der westlichen Gesellschaft für ihre Sache nutzen. Und zwar, um den liberalen Staat vorzuführen: So geschieht es derzeit im Fall der Imam-Ali-Moschee in Frankfurt, die geschlossen wurde, weil sie laut dem Bundesinnenministerium dem iranischen Regime nahesteht und den Hizbullah unterstützt.
Seither beten ihre Anhänger regelmäßig vor dem verriegelten Gotteshaus und blockieren dafür die Fahrbahn einer Landstraße mit Gebetsteppichen und Pavillons. Sie beten, berufen sich aber auf die Versammlungsfreiheit und haben damit bislang auch vor Gericht Erfolg gehabt und gegen die Stadt gewonnen, die die Treffen untersagen wollte.
Der selbstbewusste Rechtsstaat bietet von sich aus an, dass die Grenzen, die er zieht, infrage gestellt werden. Und damit kann er leben, solange er das letzte Wort hat.
Das wahre Problem liegt an anderer Stelle: da, wo gebotene rechtliche Machtmittel nicht genutzt werden.
Das alles spielt sich vor dem Hintergrund verkümmernder christlicher Traditionen in Deutschland ab. Als der Fussballnationalspieler Felix Nmecha nach einem Weltmeisterschaftsspiel mit Gegenspielern einen Gebetskreis bildete, brach eine Diskussion los, ob das überhaupt in Ordnung sei. Dabei war die Geste dezent, versöhnlich und nicht auftrumpfend. Soll bei den im eigenen Land verwurzelten Religionen Intoleranz gelten, bei denen des migrantischen Milieus Toleranz?
Es wäre schon ein Schritt nach vorn, wenn konsequent Grenzen gegenüber religiösen Übergriffigkeiten gezogen würden.
Die Antwort lautet gerade nicht, Sonderrecht gegen eine Religion zu schaffen. Sie lautet vielmehr, geltendes Recht anzuwenden.
Das Arbeitsrecht erlaubt es, die religiösen Bedürfnisse des Busfahrers dem Betriebsablauf unterzuordnen. Schulleitungen müssen gemobbte Lehrer schützen, statt sie zu ermahnen. Und es ist nur konsequent, ein öffentliches Gebet zu verbieten, das sich als blosse Kundgebung tarnt. Es fehlen nicht die Regeln; es fehlt der Wille, sie anzuwenden - aus einer diffusen Angst heraus, Grenzziehung könnte als Ressentiment missverstanden werden.
Finden Sie weitere Artikel zu Politik
- Logistik-Profi verrät - In wenigen Tagen verlässt der nächste große Konzern unser Land (zuletzt geändert: 16.07.2026)
mehr zum Thema: Wirtschaft - 2100 Zalando-Mitarbeiter in Erfurt verlieren ihren Job - Sozialplan steht (zuletzt geändert: 16.07.2026)
mehr zum Thema: Wirtschaft - Rüstung - Geheime Fabrik in Deutschland produziert KI-Drohnen für die Ukraine (zuletzt geändert: 15.07.2026)
mehr zum Thema: Ukraine - Das seltsame Misstrauen des Staates gegen die Bürger - Die deutsche Regierung schottet sich ab (zuletzt geändert: 15.07.2026)
mehr zum Thema: Demokratie - Neue Gasreserve - Jetzt erklärt die Merz-Regierung, warum Gaskunden zahlen sollen (zuletzt geändert: 14.07.2026)
mehr zum Thema: Energiekrise - Überheblichkeit - Deutsche Politik - Vom Ende des moralischen Grössenwahns (zuletzt geändert: 12.07.2026)
mehr zum Thema: Deutschland - Personalexplosion in Ministerien - Dank Bürokratie-Wahnsinn- 7000 Beamte mehr seit 2013 - das kostet uns Milliarden (zuletzt geändert: 12.07.2026)
mehr zum Thema: Deutschland - Jean-Luc Melenchon - Deutschland kann sich Arroganz nicht mehr erlauben (zuletzt geändert: 12.07.2026)
mehr zum Thema: Welt - Regierung will irrwitzige Regelung endlich abschaffen - Kein Bürgergeld mehr für Menschen mit Haftbefehl (zuletzt geändert: 11.07.2026)
mehr zum Thema: Bürokratie - Firmen fürchten Bürokratie - Wut auf neue EU-Verpackungsregeln (zuletzt geändert: 11.07.2026)
mehr zum Thema: Bürokratie - Balkan-Kriminelle verdächtig - Folter-Mord an Kölner Senior wird zum Asylskandal (zuletzt geändert: 09.07.2026)
mehr zum Thema: Crime - Warum Melnyks Aussagen über Bandera ihn als Holocaustleugner und Antisemit outen (zuletzt geändert: 07.07.2026)
mehr zum Thema: Ukraine - Ukraine will Verbündete um weitere 20 Milliarden Dollar Militärhilfe bitten (zuletzt geändert: 07.07.2026)
mehr zum Thema: Ukraine - Blick auf die Front - Die Drohnenangriffe tragen die Handschrift von Trumps Tech-Bros (zuletzt geändert: 07.07.2026)
mehr zum Thema: Ukraine
- Skandal um RKI-Protokolle - Lauterbach schweigt zu heikler Corona-Frage - Hat er Wissenschaftler angewiesen, keine Entwarnung zu geben ( zuletzt geändert: 12.07.2026 )
- Studie bestätigt Verdacht - Wer Corona hatte, bekommt eher diese Krankheiten ( zuletzt geändert: 12.07.2026 )
- Das war die DDR 1956 bis 1990 - Thomas Billhardts letzter Bildband ( zuletzt geändert: 12.07.2026 )
- Weimarer Republik - Ein Mathematiker entlarvt rechten Terror und führt die Justiz vor ( zuletzt geändert: 11.07.2026 )
- Alltag der DDR - Dresden zeigt Bilder des Fotografen Roger Melis ( zuletzt geändert: 11.07.2026 )
© infos-sachsen / letzte Änderung: - 09.08.2025 - 18:17
- Impressum
- Kontaktformular
- Musiksammlung
- FTP - Server
