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2018 - Der Ex-Krankenpfleger Niels Högel gesteht vor Gericht, 100 Patienten ermordet zu haben.


2008 - Der Berliner Flughafen Tempelhof wird endgültig geschlossen.


2005 - Sechzig Jahre nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche vollendet. Das spätbarocke Gotteshaus wird vom sächsischen Landesbischof Jochen Bohl geweiht.


1990 - 1.Durchstich beim Eurotunnel von Frankreich nach Großbritannien.


1989 - Das DDR-Fernsehen strahlt zum letzten Mal das Magazin «Der Schwarze Kanal» aus. Karl-Eduard von Schnitzler hatte darin fast 30 Jahre lang die Bundesrepublik kritisiert.


1973 - In Wien beginnen die MBFR-Ver­hand­lungen zwischen Ost und West über eine gleichzeitige Verminderung von Streit­kräften und Rüstungen, insbesondere in Mitteleuropa.


1947 - 23 Staaten unterzeichnen in Genf das "General Agreement on Tariffs and Trade" (GATT) zur Durchsetzung einer weltweiten handelspolitischen Ordnung.


1941 - Im Russlandfeldzug scheitert ein erster Versuch der 11. Armee, den sowjetischen Seehafen Sewastopol auf der Halbinsel Krim zu erobern. Dieser Vorstoß bildet den Auftakt zur Schlacht um Sewastopol.


1941 - Die NS-Führung in Deutschland führt für Sparer ein Eisernes Sparen genanntes Programm ein, um überschüssige Kaufkraft der Bevölkerung zu binden und mit dem Anreiz von Steuervorteilen eine Finanzquelle für Kriegsausgaben zu eröffnen.


1938 - Nach einem Hörspiel von Orson Welles bricht in dem Sendegebiet des US-ameri­ka­nischen Senders CBS eine der größten Massen­paniken aus. Sechs bis neun Millionen Zuhörer verfolgen gespannt vermeintlichen Sonder­nach­richten über eine Invasion von Außerirdischen. Das Hörspiel endet nach sechzig Minuten. Die Panik hält noch einige Stunden an, Orson Welles Ruhm hält sich bis heute.


1864 - Der Friede von Wien beendet den zweiten Deutsch-Dänischen Krieg. Die Großmächte Preußen und Österreich erhalten von Dänemark die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg.


1786 - In einem Experiment mit einem Froschschenkel entdeckt der italienische Mediziner Luigi Galvani die Berührungs­elektrizität.


Handwerker aus Sachsen-Anhalt verlangen Ende der Russland-Sanktionen
In einem Brief an Olaf Scholz fordert ein ostdeutscher Handwerksverband das Ende aller Russland-Sanktionen. "Die breite Mehrheit ist nicht gewillt, für die Ukraine ihren schwer erarbeiteten Lebensstandard zu opfern." Quelle: Spiegel vom 19.08.2022)

Wegen Preisexplosion: Vogtländer schicken Wut-Brief an Habeck:
Im Brief heißt es dazu: "Konkret haben wir den Eindruck, dass aus der emotionalen Empörung über den Angriffskrieg der Russischen Föderation auf die Ukraine politische Entscheidungen resultieren, deren Auswirkungen gravierende Folgen für die Bevölkerung in unserem Land haben werden (...)" Quelle: Tag24 vom 01.08.2022)

Bürgermeister sprechen sich für Nutzung von Nord Stream 2 aus. Quelle: Brief an die Bundesregierung (welt.de vom 28.07.2022)

Eine starke Wirtschaftsleistung ist die Grundlage für Deutschland, überhaupt reagieren zu können, egal in welcher Dimension. (...) Wir helfen der Ukraine nicht, wenn wir uns selbst schwächen. Genau das würde aber passieren bei einem sofortigen Energie-Stopp. Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius

"Ich möchte dazu ermutigen, auch zukünftig die Welt immer auch mit den Augen des Anderen zu sehen, also auch die manchmal unbequemen und gegensätzlichen Perspektiven des Gegenüber wahrzunehmen, sich für den Ausgleich der Interessen einzusetzen". Angela Merkel. Großer Zapfenstreich 02.12.2021

Alarmstufe Gas gilt

Erst im Mai 2022 billigte der Bundestag eine Änderung des Energiesicherheitsgesetzes (EnSiG), das den Energielieferanten erlaubt, im Fall einer ausgerufenen Alarmstufe die Preise direkt an die Verbraucher weiterzugeben.

Dabei ist es völlig egal, ob Kundinnen und Kunden eine Preisgarantie unterschrieben haben. Die Unternehmen können die Preise anheben - und Betroffene können nichts dagegen tun.

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Anderer Blick der Woche


Markus Lanz "Ich verurteile sie ja nicht als Faschisten": Gaucks herablassender Blick auf Millionen AfD-Wähler

Florian Warweg

10.07.2026, 07:43 Uhr 7 Min

Ex-Bundespräsident Gauck analysiert im ZDF die Entfremdung der Bürger - und reproduziert sie im selben Atemzug. Ein Sommergespräch voller Widersprüche

Es gehört zu den liebgewonnenen Ritualen des deutschen Fernsehsommers: Einmal im Jahr bittet Markus Lanz den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck zum "Sommergespräch", und einmal im Jahr darf der geneigte Zuschauer erleben, wie zwei Männer, die sich erkennbar schätzen, in wechselseitiger Bestätigung die Lage der Nation vermessen.

Zuletzt trat Joachim Gauck häufiger in TV-Formaten auf, unter anderem bei Caren Miosga oder, auch ganz, aktuell bei Markus Lanz.
© IMAGO/Uwe Koch

Was am Donnerstagabend (09.07.2026) im ZDF zu besichtigen war, bot dabei durchaus Erkenntnisgewinn - allerdings weniger über den Zustand des Landes als über den Zustand jener Diskursblase, in der sich ein Teil der politisch-medialen Elite Deutschlands nach wie vor behaglich eingerichtet hat.

Der paternalistische Grundton

Man muss Gauck zugutehalten, dass er seine Positionen mit jener pastoralen Würde vorträgt, die ihm eigen ist und die ihm einst den Weg ins höchste Staatsamt ebnete. Doch gerade diese Würde macht die Zumutungen, die in seinen Formulierungen stecken, umso bemerkenswerter. Da ist etwa der Satz über die AfD-Wähler: "Ich verurteile sie ja nicht als Faschisten, sondern ich bin der Meinung, dass sie falsch wählen, dass sie auf einem Irrweg sind."

Man halte einen Moment inne und vergegenwärtige sich die Tragweite dieser Aussage. Ein ehemaliger Bundespräsident, der qua Amt einst alle Bürger repräsentierte, erklärt Millionen von Wählern - in Sachsen-Anhalt jenseits der 40-Prozent-Marke -, dass sie "falsch" wählen. Nicht, dass sie eine Partei wählen, deren Programm er für verfehlt hält. Nicht, dass er ihre Sorgen versteht, aber andere Lösungen bevorzugt. Nein: Sie wählen schlicht "falsch". Es ist die Sprache des Oberlehrers, der die Klassenarbeit zurückgibt. Und es ist exakt jener Tonfall, der die Entfremdung, die Gauck an anderer Stelle durchaus klug analysiert, weiter befeuert.

Noch aufschlussreicher wird es, wenn Gauck über Freiheit philosophiert - sein Lebensthema, wie Lanz pflichtschuldig anmerkt. Da unterscheidet der Altpräsident zwischen einer Freiheit, in der Menschen träumen, "ich kann alles, ich darf alles, keiner kann mich", und einer "Freiheit zu etwas und für etwas", die er als "Freiheit der Erwachsenen" bezeichnet. Die Implikation ist kaum zu überhören: Wer nicht so wählt, lebt und denkt, wie Gauck es für richtig hält, befindet sich offenbar noch im Stadium politischer Unmündigkeit.

Das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Vertrautem, nach Beheimatung - Gauck verwendet den Begriff selbst - wird damit zum Ausweis mangelnder Reife erklärt. Es ist eine bemerkenswerte Volte für jemanden, der im selben Gespräch beklagt, die progressiven Eliten hätten die Bedürfnisse der Menschen nach Beheimatung "denunziert oder gar nicht richtig verstanden".

Die Sache mit dem "habituellen Strickmuster"

Besonders entlarvend ist Gaucks Erklärungsversuch für den Erfolg der AfD in Ostdeutschland. Er spricht von einem "habituellen Strickmuster", von einer "erlernten Form, ein Ich zu sein", die das "Aufstehen des aktiven Bürgers" verhindere. Die DDR habe "das Element des Politischen ruiniert", weshalb es ein "Defizit an zivilgesellschaftlich aktiver Bevölkerung" gebe - "statistisch erhebbar", wie er betont, und "keine Charakterschwäche".

Doch genau so klingt es eben: wie die Diagnose eines Charakterdefizits, nur höflicher formuliert. Gauck pathologisiert hier eine gesamte Bevölkerungsgruppe. Die Ostdeutschen, so die Lesart, sind nicht etwa unzufrieden, weil sie reale Erfahrungen mit gebrochenen Versprechen, mit Deindustrialisierung und Entwertung ihrer Biografien gemacht haben. Sie sind unzufrieden, weil sie habituell falsch geprägt sind. Dass ausgerechnet jene Ostdeutschen, die 1989 eine Diktatur zu Fall brachten - Gauck selbst war einer von ihnen -, offenbar nicht über genügend zivilgesellschaftliche Kompetenz verfügen sollen, um heute "richtig" zu wählen, ist ein Widerspruch, der im Gespräch unbemerkt bleibt.

Der Finnland-Vergleich, der keiner ist

Heiter wird es, wenn Gauck den internationalen Vergleich bemüht. Über Finnland und Norwegen sagt er: "Wir fahren da hin, den Leuten geht es nicht besser als uns, sondern der Durchschnitt ist unter uns. Und sie sind irgendwie einfach Menschen, die sich wohlfühlen, dort zu sein, wo sie sind." Man wüsste gerne, welchen Durchschnitt Gauck hier meint.

Das finnische Bildungssystem gilt seit Jahrzehnten als weltweit führend. Die skandinavischen Länder rangieren in praktisch jedem internationalen Vergleichsindex - ob Lebensqualität, Pressefreiheit, Korruptionswahrnehmung oder soziale Mobilität - regelmäßig vor Deutschland, oft deutlich. Dass die Menschen dort zufriedener sind, liegt möglicherweise nicht daran, dass sie einfach eine sonnigere Disposition haben, sondern daran, dass der Staat dort tatsächlich noch zum großen Teil funktioniert: Digitalisierung, Verwaltung, Infrastruktur, Bildung. Gaucks These, die Deutschen müssten im Grunde nur aufhören zu nörgeln, um finnisch glücklich zu sein, hat etwas Abgehobenes und Weltfremdes.

Die Brandmauer und ihre Paradoxien

Immerhin: In der Frage der parlamentarischen Behandlung der AfD zeigt Gauck eine bemerkenswerte Differenziertheit, die man sich an anderer Stelle gewünscht hätte. Er plädiert dafür, gewählten AfD-Abgeordneten Ausschussvorsitze und Parlamentspräsidentschaften nicht grundsätzlich zu verwehren - mit Ausnahme sicherheitsrelevanter Gremien wegen der "Putin-Nähe". Gleichzeitig hält er es für denkbar, dass die CDU in Sachsen-Anhalt notfalls mit der Linkspartei kooperiert, um einen AfD-Ministerpräsidenten zu verhindern. Man muss diese beiden Positionen nebeneinanderlegen, um ihre Spannung zu erkennen: Einerseits sollen AfD-Abgeordnete als demokratisch legitimierte Volksvertreter behandelt werden.

Andererseits soll eine Partei mit über 40 Prozent Wählerzuspruch unter allen Umständen von der Regierungsverantwortung ferngehalten werden - notfalls durch Bündnisse, die Gauck selbst als "Kröte" bezeichnet. Dass Lanz an dieser Stelle den ehemaligen Verfassungsrichter Peter Müller zitiert, der genau diesen Widerspruch benennt, ist einer der stärkeren Momente der Sendung. Gauck stimmt zu, windet sich, stimmt wieder zu - und rettet sich schließlich in die Metapher einer "befestigten Grenze mit Grenzübergängen". Was das konkret bedeuten soll, bleibt im Ungefähren.

Die Rolle des Moderators

Lanz selbst verdient dabei durchaus Anerkennung für einzelne scharfe Nachfragen - etwa den Hinweis, dass Gaucks Prognose von vor drei Jahren, die AfD werde "nie an die Macht kommen", sich als "eine Portion Optimismus zu viel" erwiesen habe. Auch sein Insistieren auf der Brandmauer-Problematik und seine Beobachtung, dass die Sprache über AfD-Wähler - "die gehen denen auf den Leim" - eine Entmündigung von Bürgern darstelle, zeugt von journalistischem Gespür. Umso bedauerlicher, dass Lanz die wirklich großen Widersprüche seines Gastes nicht weiter verfolgt, sondern sich stattdessen in einvernehmlichem Kopfnicken verliert.

Was bleibt von diesem Sommergespräch?

Das Bild zweier Männer, die die Krise des Landes durchaus erkennen, aber in einer Sprache darüber reden, die selbst Teil des Problems ist. Gauck analysiert die Entfremdung zwischen Eliten und Bevölkerung mitunter brillant - um sie im nächsten Satz durch exakt jenen paternalistischen Gestus zu reproduzieren, den er gerade noch kritisiert hat. Er fordert "ermutigende und ermächtigende Diskurse" und erklärt im selben Atemzug Millionen Wählern, dass sie "falsch" wählen. Er mahnt, die Bedürfnisse nach Beheimatung nicht zu "denunzieren", und denunziert das Wahlverhalten der Verunsicherten als "habituelles Strickmuster" mangelnder zivilgesellschaftlicher Reife.

Jonathan Haidt, den Lanz gegen Ende zitiert, empfiehlt, mit Andersdenkenden spazieren zu gehen und herauszufinden, "an welchem Punkt der andere Recht hat". Man wüsste zu gerne, was passierte, wenn Gauck diesen Ratschlag tatsächlich beherzigen und durch einen Wahlkreis in Sachsen-Anhalt spazieren würde - nicht als ehemaliger Bundespräsident, der den Verirrten den Weg weist, sondern als Zuhörer. Aber vermutlich wäre das dann doch zu viel jener Freiheit, die er so gerne "die Freiheit der Erwachsenen" nennt.


Quelle:


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