12.08.2024 - 07:40 Uhr
Foto: Michael Kappeler/dpa
Bundestagsvizepräsident und FDP-Vize Wolfgang Kubicki (72) forderte bereits den Rücktritt des Gesundheitsministers. Virologe Hendrik Streeck (47) mahnt, es brauche schnelle und umfassende Aufklärung, wenn Lauterbach im Amt bleiben wolle.
BILD hat beim Ministerium ganz konkret nachgefragt: Haben Lauterbach oder sein Ministerium das RKI angewiesen, die Risikobewertung nicht zu senken? Und wollte das RKI die Risikobewertung senken, durfte es aber nicht aufgrund von Lauterbach-Anweisungen?
Von der Beantwortung dieser Fragen hängt ab, ob Kubickis und Streecks Vorwürfe zutreffen. Ob Lauterbach tatsächlich verhinderte, dass die RKI-Forscher Corona-Entwarnung geben konnten.
Ein Ministeriumssprecher verweist lediglich auf eine Lauterbach-Äußerung vom vergangenen Freitag. Da hatte der Gesundheitsminister erklärt: "Das RKI hat während der Pandemie Empfehlungen abgegeben. Die politische Verantwortung liegt aber beim Ministerium." Und: Trotz der insgesamt vorsichtigen Strategie seien allein im Jahr 2022 in Deutschland noch mehr als 50.000 Menschen an Corona gestorben. "Die Maßnahmen waren damit mehr als begründet."
Heißt: Ob Lauterbach das RKI anwies, die Risikobewertung entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse hochzuhalten, will Lauterbach nicht sagen.
Dabei wiegen die Zitate in den RKI-Protokollen schwer, da heißt es:
Kubicki wirft Lauterbach aufgrund dieser Aussagen in den Protokollen vor, dass es "dem größten Verfechter der allgemeinen Impfpflicht" nicht so recht gepasst habe, "dass die mildere Omikron-Variante aus fachlicher Sicht eine Herabstufung der Risikobewertung erforderlich machte". Und: Lauterbach habe die "Grenzen der Wahrheit" überschritten, "um ein persönliches politisches Ziel zu erreichen".