Nur ein Thema wahlentscheidend: XXL-Studie entlarvt Mythos vom abgehängten AfD-Wähler

Marcel Sacha

17.08.2026 - 19:19 Uhr

Berlin - Ist der typische AfD-Wähler ein wirtschaftlich abgehängter Bürger, der aus Frust und Abstiegsangst rechts wählt? Eine neue Studie stellt dieses (vor allem von links) verbreitete Bild massiv infrage. Die Forscher Martin Schröder, Moritz Rehm und Anja Röcke von der Uni des Saarlandes haben Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) von fast 32.000 Menschen untersucht, um herauszufinden, welche Faktoren Einfluss auf eine AfD-Unterstützung haben. Das Ergebnis ist deutlich: Entscheidend ist vor allem die Haltung zur Migration - nicht die eigene wirtschaftliche Lage.

Anhänger der AfD stehen vor dem Roten Rathaus in Berlin
Foto: Florian Boillot

Für die tatsächliche AfD-Wahl ist die Haltung zur Einwanderung der mit Abstand wichtigste der untersuchten Faktoren: Sie erklärt mehr als 90 Prozent der erklärbaren Unterschiede im Wahlverhalten. Die Forscher berücksichtigten in ihrer Studie auch zahlreiche soziale und wirtschaftliche Unterschiede: Einkommen, Bildung, berufliche Stellung, Arbeitslosigkeit, finanzielle Sorgen und Lebenszufriedenheit. Kommt die Einstellung zur Migration hinzu, erklären die anderen Faktoren kaum noch etwas zusätzlich.

Ulrich Siegmund (35, AfD) will Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt werden
Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP

Besonders eindrucksvoll ist ein statistischer Vergleich der Studie: Ein Mensch mit niedrigstem Einkommen, niedrigster Bildung, großen finanziellen Sorgen und geringer Lebenszufriedenheit, der aber keine Sorgen wegen Einwanderung hat, kommt auf eine AfD-Unterstützungswahrscheinlichkeit von nur 3,7 Prozent. Ein anderer Mensch, der wirtschaftlich sehr gut dasteht, aber große Sorgen wegen Einwanderung hat, kommt dagegen auf 8 Prozent - mehr als doppelt so viel.

Das stellt die verbreitete Vorstellung vom "abgehängten AfD-Wähler" auf den Kopf.

Noch brisanter: Die Forscher konnten auch Veränderungen innerhalb derselben Personen untersuchen. Wird jemand im Laufe der Zeit migrationskritischer, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, die AfD zu unterstützen. Ändert sich dagegen die wirtschaftliche Lage, wirkt sich das viel schwächer aus.

Heißt das: Geld spielt keine Rolle?

Nein. Die Studie behauptet nicht, dass Armut oder soziale Probleme völlig bedeutungslos sind. Sie zeigt vielmehr: Sie erklären die AfD-Unterstützung deutlich schlechter als die Einstellung zur Migration. Damit bekommt die politische Debatte eine andere Stoßrichtung.

Das Erklärungsmuster "Ich bin abgehängt - deshalb wähle ich AfD" funktioniert kaum noch. Vielmehr stimmt der Satz: "Ich mache mir Sorgen über Einwanderung - deshalb wähle ich die Partei, die dieses Thema am stärksten vertritt." Die Autoren stellen die "Modernisierungsverlierer"-These also deutlich infrage.

Der AfD-Wähler ist also nicht einfach der frustrierte Bürger mit leerem Geldbeutel. Die entscheidende Trennlinie verläuft offenbar stärker bei der Haltung zur Migration als beim eigenen Kontostand.


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