Sozialpolitik Wirtschaftsweiser: Beamten geht es gut, weil man das Leben der Anderen verschlechtert hat

Eva Maria Braungart

25.05.2026, 10:25 Uhr 2 Min

Achim Truger fordert Reformen bei den Beamten. Unter anderem sollen sie in die gesetzliche Krankenversicherung eingebunden werden.

Achim Truger ist für eine Einbindung von Beamten in die gesetzliche Krankenversicherung.
© Britta Pedersen/dpa

Der Wirtschaftsweise Achim Truger hat sich für eine stärkere Einbindung von Beamten in die Solidargemeinschaft ausgesprochen. Er halte es für falsch, dass Staatsdiener aus der gesetzlichen Krankenversicherung herausgehalten würden.

Beamte sollten nach Ansicht des Ökonomen künftig in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) einbezogen werden. "Dass Beamte aus der gesetzlichen Krankenversicherung rausgehalten werden, halte ich für völlig falsch", sagte das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Wirtschaftsweise: Beamte könnten GKV stärken

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Durch ihr gutes Gehalt könnten Beamte die Kassenlage der GKV stärken. Beamte sind in Deutschland in der Regel privat krankenversichert. Truger stellte zudem grundsätzlich infrage, ob es so viele Beamte brauche, wie es sie derzeit gebe. "Lehrer und Universitätsprofessoren wie ich müssten beispielsweise nicht zwingend verbeamtet werden", sagte der Ökonom der Neuen Osnabrücker Zeitung, der selbst eine Professur innehat. Langfristig sei eine stärkere Einbindung von Staatsdienern in die Solidargemeinschaft ein guter Weg, um eine Art "Klassensystem" zu vermeiden und das System gerechter zu gestalten.

"Dass es den Beamten zum Teil so gut geht, hängt auch damit zusammen, dass man das Leben der anderen über die Jahre verschlechtert hat", sagte Truger weiter. Als Beispiel nannte er die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern, deren Kosten überwiegend von den Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenkassen getragen würden. "Da macht sich der Bund einen schlanken Fuß", kritisierte Truger.

Die Gesundheitskosten für Bürgergeldempfänger werden auf rund zwölf Milliarden Euro im Jahr geschätzt. Sie werden bislang nur zum Teil aus dem Bundeshaushalt übernommen, ein Großteil muss aus den Beitragseinnahmen der gesetzlichen Kassen gedeckt werden. Privatversicherte beteiligen sich an dieser Finanzierung nicht.

Über die Krankenversicherung von Beamten sowie über die Pension wird immer wieder debattiert. Bis Ende Juni soll eine Rentenkommission konkrete Vorschläge vorlegen. Beamte erhalten im Vergleich zur gesetzlichen Rente deutlich höhere Bezüge. Während Pensionäre im Schnitt rund 3200 bis 3300 Euro brutto monatlich beziehen, liegt die gesetzliche Rente selbst nach vielen Beitragsjahren häufig deutlich darunter. Medienberichten zufolge sollen Reformen bei der gesetzlichen Rente möglicherweise auch auf Pensionen Auswirkungen haben.


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