Ausgabe Nr. 30 Wie wird mein Sohn kein Frauenhasser?

Eine "Liebesleben"-Kolumne von Heike Kleen
(Ausschnitte)

Hauptsache, er wird kein Neonazi, dachte ich vor 17 Jahren, als ich meinen Neugeborenen im Arm hielt. Inzwischen ist das Baby fast erwachsen. Und ich habe noch einen Wunsch: Hauptsache, er verhält sich in Beziehungen liebevoll.

Ich spreche mit der Sexologin Katrin Hinrichs über die jungen Männer, die in ihre Praxis kommen. Das sind nicht die Alphamänner, die Hilfe suchen, sondern die, die sich kaum noch trauen, auf eine Frau zuzugehen. Männer, die alles richtig machen wollen, aber unter Erektionsstörungen oder Lustlosigkeit leiden.

Laut Hinrichs fehlen diesen Männern gute männliche Vorbilder. Aber genau die fehlten auch den selbst ernannten Alphamännern aus Theroux' Doku, die meisten sind ohne Vater aufgewachsen.

Und die alleinerziehende Schriftstellerin Simone Buchholz erzählt in ihrem Essay "Über Söhne", wie sie als Frau an ihre Grenzen stieß, als ihr Sohn in die Pubertät kam: "Nachdem vor allem Frauen die frühe Erziehung meines Sohnes geprägt hatten, brauchte es Trainer und später dann Sportlehrer, die ihm die vielfältigen Konzepte von Männlichkeit vorlebten."

Früher habe ich sie hochgehoben, heute hieven sie lässig auf die Schulter, was ich nicht tragen kann. Oft tun sie, als bräuchten sie niemanden mehr, aber ich denke: Sie alle haben Liebesgeschichten, große Gefühle und Zärtlichkeit verdient. Wie kann ihnen das gelingen?

Am Ende zählt vielleicht nur das Bonmot: "Wir brauchen unsere Kinder nicht zu erziehen, sie machen uns sowieso alles nach." Überlegen wir uns also gut, was wir ihnen im echten Leben vormachen. Über die Liebe. Und darüber, wie Frauen und Männer miteinander umgehen.


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