19.10.2026 - 20:47 Uhr
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Der Trick soll laut einer "Zeit"-Recherche nach einem festen Muster laufen: Der Kunde veröffentlicht in sozialen Netzwerken einen kritischen Beitrag über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (72). Ein bestochener Staatsanwalt nimmt das dann zum Anlass, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. Dieses wird regulär im türkischen Justiz-Portal "Uyap" erfasst. Der Antragsteller kann anschließend in Deutschland genau diesen Eintrag vorlegen, um eine Strafverfolgung in seiner Heimat nachzuweisen. Bestellen kann man die Masche bequem über Telegram oder TikTok.
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Komplettpakete inklusive Schleusung nach Deutschland starten bei 6000 Euro. Für gerade einmal 800 Euro wird beispielsweise ein Ermittlungsverfahren samt Hausdurchsuchung und Anklage angeboten. Ein Händler versprach Reportern der "Zeit", die sich als Interessenten ausgaben, dass sie damit "überall eine Aufenthaltserlaubnis" bekommen würden.
Manipulationen rund um "Uyap" sind dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) laut Bericht bereits bekannt. Bislang ging es allerdings vor allem um täuschend echte Nachbauten der Internetseite. Dass nun offenbar auch echte Justizeinträge missbraucht werden, habe die Behörde überrascht. Das Bamf betont, jeden Antrag einzeln zu prüfen.
Seit 2021 stellten demnach rund 140.000 Türken einen Asylantrag in Deutschland. Gleichzeitig sank die Schutzquote, also der Anteil der Antragsteller, denen Deutschland Schutz gewährt, von 43 Prozent im Jahr 2020 auf rund zwölf Prozent. Aber: Die Zahlen sind immer noch hoch. Am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen befassen sich sogar zwei Amtskammern nur mit Klagen abgelehnter türkischer Asylbewerber.
Insgesamt sinkt die Anzahl der gestellten Asylanträge. 2025 wurden rund 169.000 Asylanträge gestellt. Von den im selben Jahr entschiedenen Verfahren endete jeder Vierte mit einem positiven Bescheid.