Statistik-Streit: Hat eine Islam-NGO Rassismus-Zahlen gefälscht?

Philip Fabian

12.08.2026 - 21:25 Uhr

Berlin - Hat eine vom Staat finanzierte Organisation Zahlen zu "antimuslimischem Rassismus" gefälscht? Ein Gericht hat entschieden: Zumindest ist es zulässig, das zu behaupten - denn die Art, wie sie ihre Zahlen erhebt, wirft große Fragen auf.

Wie viel Hasskriminalität gegen Muslime gibt es in Deutschland wirklich? Statistiken von Polizei und NGOs ergeben völlig unterschiedliche Lagebilder
Foto: Georg Wendt/dpa

Konkret geht es um die staatlich geförderte, gemeinnützige GmbH namens CLAIM - "Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit". Sie sammelt bundesweit antimuslimische Vorfälle und zählte 2023 einen Anstieg um 114 Prozent gegenüber dem Vorjahr, 2024 ein weiteres Plus von 60 Prozent.

"Eine glatte Fälschung"

Journalist und Buchautor Sascha Adamek ("Unterwanderung - Der politische Islam weiter auf dem Vormarsch, 2026) in der Lanz-Sendung vom 26. Juni
Foto: ZDF

Journalist und Buchautor Sascha Adamek sagte dazu in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" (6. Juni 2026), dass es sich bei den Schock-Zahlen um "eine glatte Fälschung" handele. Daraufhin klagte Claim - doch das Landgericht Hamburg gab IHM recht (Az. 324 O 305/26), wie die Anwaltskanzlei Höcker (Köln) mitteilt.

Adamek hatte bei Lanz außerdem von "Alarmismus" gesprochen. Die Zahlen dienten "als gutes Mittel, sich als Opfer zu gerieren". Die Polizeistatistik habe im Jahr 2023 von 26 Prozent Hasskriminalität gegenüber Muslimen gesprochen und nicht von 114 Prozent.

Methodischer Effekt erhöht die Zahlen

Rima Hanano von CLAIM bei der Präsentation der Studienzahlen im Haus der Bundespressekonferenz (2025)
Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Politiker und Medien übernehmen die Zahl von Claim häufig. Doch was bei den zitierten Zahlen untergegangen war: Zwischen 2022 und 2024 hatte sich die Zahl der beteiligten Meldestellen von 10 auf 26 mehr als verdoppelt. Mehr Meldestellen bedeuten fast automatisch mehr gemeldete Fälle. Auf Nachfrage räumte Claim selbst ein: Bei gleichbleibender Zahl der Meldestellen lag der Anstieg 2024 nicht bei 60, sondern bei 34,58 Prozent.

Das Landgericht stellte klar: Der Tatsachenkern ist unstreitig - Claim hat den methodischen Effekt selbst bestätigt. Adameks Bewertung als "Fälschung" und "Alarmismus" sei eine zulässige Meinungsäußerung. Untersagt wurde Claim nur ein einziger Nebenpunkt, bei dem es darum ging, wie Adamek die Organisation konfrontiert hatte.

"Nicht repräsentativ"

Adamek erklärte, der Versuch, öffentliche Kritik zu unterbinden, sei gescheitert. Er fordert, dass das Bundesfamilienministerium eine weitere Förderung von Claim überdenkt (625.000 Euro im Jahr im Rahmen des Programms "Demokratie leben!").

Im Juni meldete Claim für 2025 einen neuen Rekord von 4096 antimuslimischen Vorfällen ober- und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze, der größte Teil davon (61 Prozent) verbale Angriffe, aber auch zwei Tötungsdelikte und 61 Angriffe auf Moscheen. Inzwischen hat die Organisation 38 Meldestellen. Der aktuelle "Lagebild"-Bericht räumt ein, dass die Zahlen "nicht repräsentativ" seien, spricht aber auch von einem großen Dunkelfeld.


Quelle: