Carola Tunk OAZ
30.04.2026, 17:07 Uhr
© IMAGO/Dwi Anoraganingrum
Im Jahr 2025 erhielt ein Rekordhoch von 3683 ausländischen Staatsangehörigen die deutsche Staatsbürgerschaft in Thüringen. Dies entspricht einem Anstieg von 39,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wo bereits 2640 Einbürgerungen verzeichnet wurden. Dies stellt den höchsten Stand seit Beginn der Erfassung im Jahr 2000 dar.
Von den eingebürgerten Personen waren 2065 Männer und 1618 Frauen. Der überwiegende Teil der neuen deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger stammte aus asiatischen Staaten. Insgesamt 2203 Personen, das sind 59,8 Prozent, der Eingebürgerten besaßen zuvor eine asiatische Staatsangehörigkeit. Weitere 1050 Personen oder 28,5 Prozent kamen aus europäischen Ländern. Aus afrikanischen Staaten stammten 229 Personen, aus Amerika 100 Personen. Hinzu kamen 101 Menschen, die aus anderen Regionen kamen, staatenlos waren oder deren Staatsangehörigkeit ungeklärt blieb.
Die größte Gruppe unter den Eingebürgerten bildeten erneut syrische Staatsangehörige. Insgesamt erhielten 1443 Syrerinnen und Syrer im vergangenen Jahr die deutsche Staatsangehörigkeit. Damit lag ihre Zahl nochmals um 68 Fälle über dem Vorjahreswert von 1375 Einbürgerungen. Auf Rang zwei folgten russische Staatsangehörige mit 262 Einbürgerungen. Hier fiel der Anstieg besonders deutlich aus: Im Jahr 2024 waren es noch 100 Fälle gewesen. An dritter Stelle lagen Menschen mit afghanischer Staatsangehörigkeit. Von ihnen wurden 216 Personen eingebürgert, nach 115 Fällen im Jahr zuvor.
Die Altersstruktur der Eingebürgerten zeigt, dass viele Einbürgerungen Familien mit Kindern betreffen. Mehr als ein Viertel aller eingebürgerten Personen war jünger als 18 Jahre. Insgesamt erhielten 990 Minderjährige die deutsche Staatsangehörigkeit, was einem Anteil von 26,9 Prozent entspricht. Die größte Gruppe bildeten Menschen im Alter zwischen 30 und unter 50 Jahren. In dieser Altersgruppe wurden 1699 Personen eingebürgert, das entspricht 46,1 Prozent aller Fälle.
Weitere 376 Personen waren zwischen 25 und unter 30 Jahre alt, 296 Personen zwischen 18 und unter 25 Jahren. 274 Eingebürgerte gehörten zur Altersgruppe zwischen 50 und unter 65 Jahren. Menschen ab 65 Jahren stellten mit 46 Fällen die kleinste Gruppe.
Auch die Aufenthaltsdauer in Deutschland vor der Einbürgerung wurde statistisch erfasst. Rund ein Drittel der Eingebürgerten lebte zum Zeitpunkt der Einbürgerung noch keine acht Jahre in Deutschland. Konkret traf dies auf 1221 Personen zu. Der größte Anteil entfiel jedoch auf Menschen mit einer Aufenthaltsdauer zwischen acht und unter 15 Jahren. In diese Kategorie fielen 2030 Personen beziehungsweise 55,1 Prozent aller Eingebürgerten. Bereits seit mindestens 15 Jahren in Deutschland lebten 432 Personen.
Regional betrachtet konzentrierten sich die Einbürgerungen vor allem auf die größeren Städte des Landes. Die meisten neuen deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger wurden in Jena registriert. Dort hatten zum Zeitpunkt ihrer Einbürgerung 564 Personen ihren Wohnsitz. Es folgten die Landeshauptstadt Erfurt mit 387 Fällen sowie Gera mit 343 Einbürgerungen.
Die niedrigsten Werte verzeichneten dagegen eher ländlich geprägte Regionen. Im Saale-Holzland-Kreis wurden lediglich 20 Einbürgerungen registriert. Im Landkreis Greiz waren es 40 Fälle, im Landkreis Sömmerda 43.
Das Thüringer Landesamt für Statistik weist darauf hin, dass die amtliche Einbürgerungsstatistik stets die Zahl der im jeweiligen Berichtsjahr abgeschlossenen Verfahren erfasst. Die eigentliche Antragstellung kann dabei bereits deutlich früher erfolgt sein. Zudem seien die Jahre 2020 bis 2023 wegen pandemiebedingter Verzögerungen bei den Verwaltungsverfahren nur eingeschränkt mit anderen Jahren vergleichbar. Während der Corona-Pandemie hatten sich Wartezeiten und Bearbeitungsdauern teilweise erheblich verlängert. In den Folgejahren kam es laut Statistikamt zudem zu Nachholeffekten, deren genauer Umfang nicht beziffert werden könne.
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Neu ist außerdem das Verfahren zur statistischen Geheimhaltung der Daten. Seit dem Berichtsjahr 2025 wird in der Einbürgerungsstatistik die sogenannte Cell-Key-Methode eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein datenveränderndes Verfahren, das den Schutz personenbezogener Informationen gewährleisten soll. Dadurch kann es zu geringfügigen Abweichungen zwischen Einzelwerten und den ausgewiesenen Gesamtsummen kommen. Zwischen 2018 und 2024 war stattdessen ein Rundungsverfahren genutzt worden.
Die aktuellen Zahlen markieren einen neuen Höchststand in der Entwicklung der Einbürgerungen in Thüringen. Während zu Beginn der 2000er Jahre die jährlichen Werte noch deutlich niedriger lagen, zeigt die Statistik insbesondere in den vergangenen Jahren einen spürbaren Anstieg. Der Rekordwert des Jahres 2025 setzt diese Entwicklung fort und verdeutlicht zugleich die wachsende Bedeutung von Einbürgerungen im Kontext von Migration und langfristiger Integration im Freistaat.