Dienstag, 21.04.2026, 10:50
Heute liefern sich USA, China und Russland einen Wettlauf um die Vorherrschaft im Meer - an der Oberfläche und tief darunter. Wie hart dieser Kampf geführt wird, zeigte sich schon im Kalten Krieg: In den frühen 1970er Jahren tauchte ein neues sowjetisches U-Boot auf, das westliche Militärs nervös machte.
Die Boote des Projekts 705 Lira, in der Nato "Alfa-Klasse" genannt, fuhren deutlich schneller und tiefer als alles, was die USA damals im Wasser hatten. Die Sowjets setzten dabei auf Titan - ein Metall, das fast doppelt so leicht ist wie Stahl, nicht rostet und kaum magnetisch ist. Damit glitt der Rumpf besser durchs Wasser, hielt dem Druck großer Tiefen stand und ließ sich schwerer orten.
Die Alfa-Boote verdrängten untergetaucht 3000 Tonnen und erreichten laut dem Fachmagazin "SciencePost" über 40 Knoten, also mehr als 70 Kilometer pro Stunde. Sie tauchten hunderte Meter tief, mit einer theoretischen Bruchtiefe von rund 1300 Metern. Das ist die Tiefe, in der der Rumpf unter dem Wasserdruck zerquetscht würde.
In einem Nato-Manöver raste ein Alfa-Boot unter einem Konvoi hindurch. Die westlichen Schiffe maßen Geschwindigkeit und Tiefe - und stellten fest, dass ihre Torpedos nicht hinterherkamen. US-Offiziere sprachen demnach von einem "Albtraum".
Der technische Aufwand war enorm. Titan ließ sich nur in einer Schutzatmosphäre schweißen. Laut "SciencePost" entstanden in sowjetischen Werften luftdichte Hallen, die komplett mit Argon gefüllt wurden, einem Edelgas, das nicht reagiert. Arbeiter bewegten sich dort in Spezialanzügen, um überhaupt atmen zu können. Ganze U-Boot-Rümpfe entstanden in einer Umgebung, die eher an ein Raumfahrtlabor erinnerte als an eine Werft.
Anfangs spielte das Material nicht mit. Der erste Alfa-Prototyp bekam Risse in der Hülle und musste außer Dienst. Erst nachdem Metallurgen neue Legierungen und Schweißmethoden entwickelt hatten, funktionierte der Titanrumpf zuverlässig. Die Konstrukteure setzten auf einen flüssigmetallgekühlten Reaktor aus Blei und Bismut.
Laut dem Magazin "National Interest" war dieser Reaktortyp kleiner und leichter als herkömmliche Wasserkreisläufe und musste theoretisch nie nachgeladen werden.
(Archivbild) not stated, Public domain, via Wikimedia Commons
Trotz der technischen Höchstleistung blieben die Alfa-Boote ein Exot. Die Sowjetunion brachte nur sechs bis sieben Einheiten in Dienst, denn Titan kostete drei- bis fünfmal so viel wie Stahl. Dazu kamen die teuren Argonhallen und die Spezialausbildung.
Die staatliche Planwirtschaft drückte das Projekt zwar durch, doch mit dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre war Schluss. Die letzte Alfa-Einheit verschwand laut dem Magazin "National Interest" Mitte der 90er Jahre aus dem Dienst. Neue russische U-Boot-Klassen setzen seitdem wieder auf Stahl.
Mit den heutigen Yasen-U-Booten setzt Russland den Kurs der sowjetischen Alfa-Boote fort - aber mit anderem Material. Statt Titan kommt hochfester Stahl zum Einsatz, und die Yasen-Boote tragen Hyperschallraketen. Die Boote verdrängen unter Wasser rund 13.800 Tonnen, sind etwa 130 Meter lang und können bis zu 100 Tage ohne Auftauchen im Einsatz bleiben.
An Bord stehen bis zu 32 Marschflugkörper bereit, darunter Kalibr gegen Landziele, Oniks gegen Schiffe und die Hyperschallrakete Zirkon. Diese Waffe erreicht nach russischen Angaben Geschwindigkeiten von über 10.000 Kilometern pro Stunde, auch wenn westliche Schätzungen eher von 6000 bis 7200 Kilometern pro Stunde und geringerer Reichweite ausgehen.