Debatte "Plötzlich ganz still": Merz wirft Grünen Inkonsequenz bei Frauenrechten vor

Sophie-Marie Schulz

28.03.2026, 15:37 Uhr

Bundeskanzler Friedrich Merz wirft den Grünen vor, beim Thema Frauenrechte einen entscheidenden Aspekt auszublenden: Geht es um das Frauenbild im Islam, wird geschwiegen.

Bundeskanzler Friedrich Merz CDU: "Wir müssen es versuchen zu ändern"
IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Bundeskanzler Friedrich Merz verschärft seine Kritik an den Grünen in der Debatte über Gewalt gegen Frauen und Zuwanderung. Der CDU-Chef wirft der Partei vor, beim Thema Frauenrechte mit zweierlei Maß zu messen: Während die Grünen öffentlich für Gleichberechtigung eintreten, würden sie "ganz still", sobald es um das Frauenbild in Teilen muslimischer Gesellschaften gehe.

Merz knüpft damit an einen bereits angespannten Schlagabtausch im Bundestag an. Dort hatte er zuvor erklärt, ein "beachtlicher Teil" der Gewalt gegen Frauen gehe auf Zuwanderer zurück; eine Aussage, die scharfe Kritik von Grünen, Linken und auch aus der SPD auslöste.

Merz will "über das Familienbild im Islam sprechen"

In einem Interview beim "F.A.Z.-Kongress 2026" bekräftigte Merz nun seine Position. Migration bringe zwar Chancen, etwa für den Arbeitsmarkt, zugleich habe es in den vergangenen zehn Jahren aber "ziemlich große Probleme" mit irregulärer Zuwanderung gegeben.

Weiter führte der Bundeskanzler aus: "Ich wundere mich immer wieder darüber, wie zum Beispiel die Grünen mit einer unglaublichen Pose für Gleichberechtigung und für Frauenrechte einstehen, und dann werden sie plötzlich ganz still, wenn es mal darum geht, mal über das Familienbild im Islam zu sprechen und mal darüber offen zu sprechen, was da denn auch für ein Frauenbild in diesen Gesellschaften teilweise herrscht."

Laut Merz dürfe die kulturelle Prägung eines Menschen nicht ausgeblendet werden: "So, und darüber müssen wir sprechen, das müssen wir ansprechen, und wir müssen es versuchen zu ändern. Und das genau versuche ich zu tun."

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) äußerte sich ebenfalls zum Thema. Sie kritisierte die Diskussion über Gewalt an Frauen und sagte, diese sei "nicht wirklich ehrlich". Es müsse möglich sein, alle Erscheinungsformen, von Zwangsehen bis hin zu Gruppenvergewaltigungen, anzusprechen, ohne pauschal als rassistisch zu gelten.

Hintergrund der aktuellen Debatte sind Vorwürfe der Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen. Dabei geht es um sogenannte mutmaßliche digitale Gewalt. Da es kein gerichtsfestes Urteil gibt, gilt für alle beteiligten die Unschuldsvermutung.


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