08.09.2026 - 19:15 Uhr
"Diese Vereinfachung mag ich nicht", so Prien (von 2017 bis 2025 Bildungsministerin in Schleswig-Holstein), räumt aber politisch ein: "Wir haben uns zu spät auf eine heterogene (also vielfältige, unterschiedliche, die Red.) Schülerschaft eingestellt. Es hat was mit Zuwanderung zu tun, es hat was mit verändertem Elternverhalten zu tun, es hat mit Nutzungszeiten bei Social Media zu tun. Daraus kann man alles ableiten."
Zuvor erklärte Prien beinahe mantraartig, was sie seit Jahren predigt: "Wenn immer weniger Eltern ihren Kindern vorlesen, ist das ein großes Problem, auch wenn Eltern am Handy hängen. Das Bildungssystem alleine wird es nicht schaffen, da dürfen wir uns nicht in die Tasche lügen." Im Klartext: Die Probleme beginnen beim Verhalten der Eltern.
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Was BILD bereits exklusiv berichtete, ist schwarz auf weiß in der Erhebung zu sehen. Die Ergebnisse seien "die niedrigsten, die je gemessen wurden". An der Spitze: Singapur und vier chinesische Regionen. "Ich würde kein Kind, keinen Jugendlichen verloren geben", sagt Prien.
PISA-Schock für Deutschland: Deutschlands 15-Jährige (6659 Jugendliche nahmen an der Befragung teil) erreichen in allen drei Kernbereichen historische Tiefstwerte. In Mathematik kommen sie auf 464 Punkte - rund ein Drittel erreicht nicht einmal das grundlegende Mindestniveau. Im Lesen sind es 465 Punkte, auch hier bleibt etwa ein Drittel unter der grundlegenden Kompetenzstufe. Dort beträgt der Rückstand gar ein ganzes Schuljahr. In den Naturwissenschaften erreicht Deutschland 486 Punkte, rund ein Viertel schafft das Mindestniveau nicht.
Doch die Pisa-Studie zeigt, wo die Probleme liegen: Die Herkunft entscheidet in Deutschland stark über den Bildungserfolg. Beim Lesen liegen Jugendliche aus den sozial stärksten Familien im Schnitt 113 Punkte vor Jugendlichen aus den sozial schwächsten Familien. 2009 waren es noch 104 Punkte, im OECD-Durchschnitt sind es 89 Punkte. Besonders groß ist der Unterschied bei den besten Leistungen: Nur zwei Prozent der benachteiligten Jugendlichen schaffen die höchste Leistungsstufe - bei den privilegierten sind es rund 25 Prozent.
Was Hoffnung macht: Laut Prien gibt es eine ganze Reihe anderer Länder, wo Zuwanderung im Bildungssystem deutlich besser verläuft. Und: Schon in der 2. Generation der Einwanderer seien die Effekte deutlich weniger heftig zu spüren.
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Was nun? Prien macht deutlich, dass es nur über bessere frühkindliche Bildung geht und mehr investiert werden müsse: "Für ein paar Jahre müsste die Priorität jetzt auf Grundschule und Kita liegen." In den weiterführenden Schulen würde nur noch "nachträglich repariert". Das Problem: Es ist kaum Geld da! "Die Haushaltssituation ist massiv angespannt", so die Ministerin.
Immerhin: Kinder sollen künftig früher auf Sprach- und Entwicklungsprobleme getestet und bei Bedarf noch vor der Einschulung gefördert werden. Mit dem Startchancen-Programm (20 Milliarden Euro über zehn Jahre) sollen Schulen in sozial schwierigen Lagen mehr Geld und Unterstützung erhalten. Lesen, Schreiben und Rechnen sollen stärker in den Mittelpunkt rücken.