Nach 90 Jahren geht das Licht aus: Taschenlampen-Hersteller aus der DDR macht dicht

Jackie Richard

02.11.2026 - 10:41 Uhr

Arnstadt (Thüringen) - Sie lagen millionenfach in Garagen, Werkzeugkästen und Handschuhfächern, leuchteten durch Keller und über dunkle Straßen: ARTAS-Taschenlampen gehörten in der DDR zum Alltag, fast jeder Haushalt hatte eine. Jetzt ist in dem 90 Jahre alten Thüringer Traditionsbetrieb das Licht ausgegangen.

In dem Unternehmen wurden 90 Jahre lang Taschenlampen produziert. Eine Aufnahme aus der Zeit nach dem Mauerfall
Foto: picture-alliance/ZB

Seit 1936 wurden im beschaulichen Arnstadt (rund 28.000 Einwohner) in Thüringen Taschenlampen und andere Leuchten hergestellt. ARTAS überstand DDR, Wiedervereinigung und Privatisierung.

Wo die Taschenlampen zum Einsatz kamen

Manche der alten Ostprodukte wurden fast Kult: Das batteriebetriebene Glühlampen-Modell "ARTAS Focus" taucht heute noch regelmäßig als klassische DDR-Stabtaschenlampe auf Online-Marktplätzen auf. Die dort produzierten Anhaltestäbe für Polizei und Militär waren auch im vereinigten Deutschland noch im Einsatz.

Ein Polizist im Jahr 2008 mit einem Leuchtstab, hergestellt im betroffenen Taschenlampenwerk
Foto: ddp

Der Firmensitz im thüringischen Arnstadt, rund 20 km südlich der Landeshauptstadt Erfurt
Foto: Wikimedia

Verschiedene Lampen des berühmten Herstellers
Foto: Taschenlampenwerk ARTAS GmbH

Mitarbeiterin Astrid Blechschmidt auf einer Aufnahme von 1993 im thüringischen Arnstadt
Foto: picture-alliance/ZB

Anders als viele DDR-Betriebe überstand der Hersteller die Wende. 1993 wurde das Taschenlampenwerk privatisiert und produzierte in Arnstadt weiter: Mehr als drei Jahrzehnte behauptete sich das Unternehmen gegen die neue Konkurrenz. Jetzt ist damit Schluss.

Die Gründe für das Aus des Traditionsbetriebs

Der Kostendruck durch Konkurrenz aus China, massiv gestiegene Containerpreise und gestörte Lieferketten hätten ARTAS zu hart zugesetzt, sagte Schlamann dem MDR. Deshalb sei am vergangenen Donnerstag die Produktion eingestellt worden. "Ich bestätige Ihnen, dass die Taschenlampenwerk ARTAS GmbH die Produktion im Oktober 2026 eingestellt hat", so Geschäftsführer Gunnar Schlamann zu BILD.

Nur letzte Waren würden noch versendet, dann gehe das Licht endgültig aus. Vier Mitarbeiter sind betroffen. Vermutlich werde liquidiert, aber ganz sicher sei das nicht, sagte der Ingenieur und langjährige Geschäftsführer laut MDR.

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Wie das Unternehmen so lange überlebte

Statt auf die klassischen Stabtaschenlampen setzte ARTAS in den letzten Jahren vermehrt auf LED-Leuchten und Speziallampen. Zum wichtigen Standbein wurden Infrarot-Wärmestrahler für die Tieraufzucht, etwa für Lämmer, Ferkel oder Küken, die an Landwirte, Zoos und Zuchtbetriebe in Deutschland und Europa gingen.


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