12.11.2025 - 20:41 Uhr
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Innenminister Herbert Reul (73, CDU): "Da haben sich damals in Castrop-Rauxel auf offener Straße mehrere Dutzend junger Männer die Köpfe eingeschlagen. Die Leute sind da wie die Wilden über die Kreuzung gerannt und mit Messern und Holzlatten aufeinander losgegangen."
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Nach dieser neuen Form der Auseinandersetzung zwischen Familienclans starteten Landeskriminalamt (LKA) und Sicherheitskonferenz Ruhr (SiKo) das gemeinsame Auswerteprojekt "Euphrat". Neben Daten der Kriminalstatistik und des Lagebilds "Organisierte Kriminalität NRW" wurden auch Ermittlungsverfahren und Ausländerakten in die Auswertung und Analyse einbezogen.
Darunter die große Eskalation in Essen. Reul: "Einfach war das nicht. Nicht nur, weil die Leute völlig unkooperativ waren und keine Lust hatten, mit der Polizei zu reden, sondern auch weil sogenannte Friedensrichter die Angelegenheit zwischen den Streithähnen geregelt haben sollen."
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Besonders auffällig sind Syrer bei Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Dazu zählen Körperverletzung, Raub und Nötigung.
Reul: "Diese machen rund 38 Prozent aller Straftaten syrischer Beschuldigter aus. Dazu hat sich die Zahl syrischer Tatverdächtiger in den letzten zehn Jahren nahezu verfünffacht." Auf rund 17.000 - während sich der Anteil syrischer Menschen in der Gesamtbevölkerung nur etwa verdreifachte. Für Reul als "besorgniserregend einzustufen". Zusätzlich gäbe es immer mehr einzelne Straftaten mit erheblicher Gewaltanwendung.
Laut Reul würde ein Fall wie in Essen nicht mit der Polizei besprochen, sondern zur Familiensache erklärt. "Das kennen wir auch aus der türkisch-libanesischen Clankriminalität. Wir hatten es hier aber nicht nur mit Selbstjustiz zu tun, sondern auch mit Loyalitäten innerhalb einer Familie."
Laut Bericht existiert bei Syrern ein Potenzial für Clankriminalität und Organisierte Kriminalität. Weiter heißt es: "Aufgrund der hohen Anzahl syrischer Tatverdächtiger besteht ein Potenzial hinsichtlich der Entwicklung krimineller Karrieren'".
Reul bereitet die hohe Gewaltbereitschaft, vor allem unter Jugendlichen und Heranwachsenden, Sorge: "Wer früh gewalttätig ist, bei dem besteht die Gefahr, dass er damit weitermacht ... Wir sehen Potenzial, dass diese Gewalt mehr wird."
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Syrer setzen laut Kriminalstatistik am häufigsten Messer als Tatmittel ein, gleichzeitig sind syrische Staatsangehörige auch am häufigsten Opfer von Messergewalt. "Gewalt dient als eine vermeintlich angemessene Option zur Konfliktlösung."
Reul: "Wenn es abends mit der Clique rausgeht, wird das Messer ganz selbstverständlich in der Bauchtasche verstaut. Allzeit bereit, immer dabei. Da lautet die Devise: Was sich mit Worten nicht lösen lässt, muss das Messer lösen ... Das ist mittelalterliches Männlichkeitsgehabe." Und das könne in der Gesellschaft nicht geduldet werden.
CDU-Innenexperte Gregor Golland (50) zu BILD: "Auch wenn Syrer noch nicht fest in kriminelle Clanstrukturen eingebunden sind, benennt das Lagebild bereits jetzt deren weit überproportionale Anzahl an Tatverdächtigen und eine ausgeprägte Gewaltbereitschaft. Vor der weiteren Entwicklung wird ausdrücklich gewarnt. Dagegen helfen nur Null-Toleranz und schnelle Abschiebungen nach Syrien. Wehret den Anfängen der Clankriminalität! Die Fehler mit den libanesischen Clans dürfen sich nicht wiederholen."
Das sagt auch Innenminister Reul: "Wenn wir eins nicht wollen, dann die Fehler von vor 40 Jahren nochmal machen. Wir wollen nicht, dass sich neue kriminelle Parallelgesellschaften bilden, weil wir uns nicht richtig kümmern."