Mitten in den Steuerberatungen: Zahlen-Zoff? Klingbeil feuert Haushalts-Chefin

Peter Tiede

13.08.2026 - 19:32 Uhr

Berlin - Feuert man die Haushalts-Chefin, wenn man gerade den Haushalt macht? Finanzminister Lars Klingbeil (48, SPD) macht genau das: Corinna Westermann, eine der erfahrensten Haushälterinnen des Landes, muss gehen. Nachfolger wird Torge Christiansen aus der SPD-Bundestagsfraktion. Wie die "Wirtschaftswoche" zuerst berichtete, steigt der Haushaltsreferent über mehrere Beamten- und Besoldungsstufen zum politischen Beamten auf: B9, mindestens 14.077 Euro brutto.

Herr seiner Zahlen? Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil (48)
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Das Ministerium nennt den Wechsel üblich und länger geplant. Eine Sprecherin zu BILD: "Abteilungsleitungen sind politische Beamte. Personelle Veränderungen an der Spitze von Abteilungen sind üblich, um Abteilungen an sich verändernde Rahmenbedingungen anzupassen." Mit Zoff oder Streit habe der Wechsel nichts zu tun.

Abgelöst: Corinna Westermann, bisher Chefin der wichtigen Haushaltsabteilung des Bundesfinanzministeriums
Foto: BMF/Diana Woito

Die Fraktionshaushälter wussten seit mindestens zwei Wochen von der Ablösung. Im Ministerium ist von Zoff, sogar Zerwürfnis die Rede. Westermann habe Klingbeils Amtsführung und seinen engeren Beraterkreis intern kritisiert. In ihrer Abteilung herrsche Frust; Haushalt 2027 und Planung 2028 würden teils als unseriös bezeichnet.

Unions-Chefhaushälter Christian Haase (60, CDU) zu BILD: "Die Personalie war länger vorbereitet. Ob es mit der Qualität der Arbeit der Abteilung oder interner Kritik an der Amtsführung des Ministers liegt, vermag ich nicht zu sagen."

Kritisiert die Steuerpläne des Ministers: Unions-Chefhaushälter Christian Haase (60, CDU)
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Der Haushaltsentwurf wird intern massiv kritisiert: Im Ministerium gilt er als der schlechteste, den man je aufgestellt habe. Verantwortlich gemacht würden Klingbeils Hausspitze und Berater, nicht Westermanns Abteilung. Der Finanzpolitik-Neuling werde schlecht beraten.

"Zahlen sind halt nicht sein Ding"

Unions-Haushälter und -Finanzpolitiker berichten, sie schämten sich in Ausschusssitzungen mit Klingbeil. Einer der Erfahrenen: "Er kennt die Zahlen nicht, muss sich alles soufflieren lassen. Dass er noch nie Finanzpolitik gemacht hat in seinem Leben, ist das eine. Aber er hat ja nicht einmal Spaß an Zahlen - es scheint ihn nicht zu interessieren. Und wir sitzen da und sind mit ihm verhaftet, da er auch unser Koalitionsminister ist." Ein anderer: "Er hat Rockmusik gemacht - Zahlen sind halt nicht sein Ding. Ihm fehlt jegliche finanzpolitische Vision - er weiß nicht, wo er hinwill mit Land und Staatsfinanzen."

Und dann ist da noch der Gesetzentwurf zur Einkommensteuerreform (BILD hatte exklusiv berichtet): Selbst die im Koalitionsausschuss beschlossene Mini-Entlastung für die Steuerzahler fällt demnach weitgehend aus, nicht einmal die Inflation wird komplett ausgeglichen. Haase zu BILD: "Da herrscht allgemeine Enttäuschung über das, was der Minister vorgelegt hat, da wir uns wirklich mehr erhofft haben." Auch andere Unionsabgeordnete kritisieren Klingbeils Entwurf hart und fordern Nachbesserungen - bei der Einkommensteuerreform und dem Haushalt.


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