Anschlag Messerattacke von Brokstedt: Vater von Opfer wirft Özdemir selektives Gedenken vor

Mario Jacob

20.02.2026, 15:12 Uhr

Michael Kyrath, dessen Tochter 2023 bei einer Messerattacke getötet wurde, fordert den Grünen-Politiker auf, auch Opfern von Migrantengewalt öffentlich zu gedenken.

Kerzen, Blumen und Kränze stehen und liegen zum Gedenken an die Messerattacke von Brokstedt im Jahr 2023 auf dem Bahnhof.
Daniel Bockwoldt/dpa

Der Vater der bei der Messerattacke im Regionalzug bei Brokstedt getöteten Ann-Marie Kyrath hat den Grünen-Politiker Cem Özdemir in einem öffentlichen Beitrag auf der Plattform X scharf kritisiert. Michael Kyrath warf dem Politiker vor, beim Gedenken an Gewaltopfer mit zweierlei Maß zu messen.

Anlass war ein Beitrag Özdemirs zum sechsten Jahrestag des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau am 19. Februar. Darin hatte Özdemir den Opfern gedacht und betont, Rassismus und Hass dürften "keinen Platz in unserer Gesellschaft haben". Kyrath antwortete darauf direkt und forderte Özdemir auf, am 25. Januar 2027 zum vierten Jahrestag der Ermordung seiner Tochter nach Brokstedt zu kommen - oder alternativ an anderen Jahrestagen der Opfer von Gewalttaten zu gedenken, bei denen die Täter einen Migrationshintergrund hatten.

Kyrath nannte dabei konkret die Fälle der 14-jährigen Ece aus Illerkirchberg, der 15-jährigen Mia aus Kandel und der 19-jährigen Maria aus Freiburg. "Sollten Sie - wie in den vergangenen Jahren auch - an den aufgeführten Terminen verhindert sein, rufen Sie mich an", schrieb Kyrath. Er könne "problemlos noch mehr Termine" nennen, "wo Sie den Eltern ermordeter Kinder Ihr Mitgefühl aussprechen können - und vielleicht sogar ein wenig Hilfe anbieten können".

Kyraths Tochter war sein einziges Kind

Michael Kyrath wurde als Angehöriger eines Opfers der Brokstedt-Attacke bundesweit bekannt. Am 25. Januar 2023 hatte ein staatenloser Palästinenser in einem Regionalzug zwischen Hamburg und Kiel zwei junge Menschen mit einem Messer getötet und mehrere weitere teils schwer verletzt. Unter den Todesopfern war die 17-jährige Ann-Marie, das einzige Kind der Familie Kyrath, sowie der 19-jährige Danny.

Seitdem engagiert sich Kyrath öffentlich für eine konsequentere Migrationspolitik und kritisiert den Umgang der Behörden mit straffälligen Zuwanderern. Der Täter von Brokstedt war den Behörden zuvor bereits wegen Gewaltdelikten bekannt gewesen. Kyrath trat unter anderem in Gesprächen mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz und in Fernsehsendungen auf und betonte wiederholt, "Aufgeben ist keine Option".

Debatte über selektives Gedenken

Kyraths Beitrag rührt an eine seit Jahren schwelende Debatte in Deutschland: Kritiker werfen Teilen der Politik vor, bei Gewalttaten mit rassistischem Hintergrund deutlich sichtbarer Anteilnahme zu zeigen als bei Tötungsdelikten, bei denen Zuwanderer als Tatverdächtige gelten. Befürworter des offiziellen Hanau-Gedenkens betonen hingegen, dass es sich dabei um einen gezielten rechtsextremistischen Terroranschlag mit neun Todesopfern gehandelt habe, der eine andere politische Dimension besitze als Einzeltaten.

Cem Özdemir hat auf Kyraths Beitrag bislang nicht öffentlich reagiert.


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