26.06.2025 - 18:43 Uhr
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Berlin. Rekordsummen für Krankenhausbehandlungen bis hin zu rasant steigenden Kosten für Medikamente: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gerät im Jahr 2025 so stark unter Druck wie nie. Nach aktuellen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums lagen die Ausgaben im ersten Quartal bei 86,5 Milliarden Euro - das ist ein Plus von über sechs Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Die Ausgaben sind in den ersten drei Monaten des Jahres um acht Prozent gestiegen, während die Einnahmen deutlich weniger zulegten. Zwar konnte das GKV-System noch einen Überschuss von 1,84 Milliarden Euro ausweisen. Dieser ist jedoch trügerisch. Denn der Gesundheitsfonds, über den die Gelder verteilt werden, hat bereits ein Defizit von 4,5 Milliarden Euro eingefahren.
Die finanziellen Probleme kommen nicht von ungefähr. Ein genauer Blick auf die größten Ausgabenbereiche zeigt: Bestimmte Leistungen sind extrem teurer geworden.
Die Krankenkassen geben nach wie vor den größten Teil ihres Budgets für Krankenhausbehandlungen aus. Allein im ersten Quartal 2025 kostete die Versorgung der Patienten dort insgesamt 27,2 Milliarden Euro - das sind fast zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch die Ausgaben für Medikamente stehen mit 14,3 Milliarden Euro weit oben auf der Liste - mit einem Anstieg von gut sechs Prozent.
Besonders stark haben die Kosten für diese speziellen Leistungen zugelegt:
Derart rasant steigende Ausgaben dürften nicht ohne Folgen für die Krankenkassen bleiben und auf die Beitragszahler zurückfallen, fürchten Branchenkenner. So warnt der Notfallarzt Christian Karagiannidis eindringlich vor einer "flächendeckenden Ausgabenexplosion".
Der Mediziner hat im vergangenen Jahr in der Regierungskommission an der Krankenhausreform mitgearbeitet, um einen Teil dieser Kosten einzudämmen. Karagiannidis' Fazit: Die Ausgaben seien in allen Leistungsbereichen aus dem Ruder gelaufen.
"Die Grundlohnraten - also die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung - steigen bundesweit um rund fünf Prozent. Das ist bereits ein deutlicher Zuwachs", erklärt der Arzt. Mit anderen Worten: Die Krankenkassen nehmen zwar spürbar mehr Geld ein, doch das reicht nicht aus. Denn die Ausgaben steigen weiterhin in alarmierendem Tempo.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) müsse jetzt die Kontrolle über das System zurückgewinnen, fordert der Mediziner. "Wir müssen die Ausgabenseite endlich in den Griff bekommen, denn wir können nicht unbegrenzt auf der Einnahmenseite gegensteuern", warnt er.
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Die umstrittene Selbstbeteiligung hält er dabei für ein geeignetes Instrument: "Aber das will politisch derzeit niemand hören", sagt er. Damit gemeint ist, dass Versicherte einen Teil der Behandlungskosten selbst bezahlen müssen, etwa bei einem Krankenhausbesuch oder einem verschriebenen Medikament.
Vor neuerlichen Belastungen für die Beitragszahler warnen bereits viele Experten. Nach einer Berechnung des Forschungs- und Beratungsinstituts für die Gesundheitssparte IGES für die DAK-Gesundheit dürfte der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung bereits zum Jahreswechsel 2025/26 um 0,2 Prozentpunkte steigen.
Und die Lage könnte sich danach sogar noch weiter verschärfen. Die Fachleute rechnen für das Jahr 2027 mit einem Beitragssatz von 18 Prozent. Einige Krankenkassen liegen bereits über den offiziellen Prognosen für dieses Jahr.
Die IGES-Analyse hat nach eigener Angabe auch die Bundesdarlehen für die Krankenkassen berücksichtigt. Für die Jahre 2025 und 2026 sind jeweils 2,3 Milliarden Euro an Krediten vorgesehen. Für die Pflegeversicherung wurden 500 Millionen Euro im Jahr 2025 und 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 einbezogen. Diese Hilfen können nach Einschätzung der Experten allerdings nur vorübergehend dazu beitragen, dass die Beitragssätze in der Kranken- und Pflegeversicherung nicht weiter steigen. Eine langfristige Stabilisierung kann dadurch nicht erreicht werden.
So dürfte das Darlehen den Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung im Jahr 2026 IGES zufolge zwar etwas abmildern. Allerdings reicht das Geld demnach nicht aus, um das erwartete Finanzloch zu stopfen. Deshalb dürfte der Pflegebeitrag bereits 2026 auf 4,0 Prozent steigen, also um 0,2 Prozentpunkte.