Genervt vom Wahlkampf: Lanz rechnet mit "Doofe Ossis"-Journalismus ab

Josef Nyary

03.09.2026 - 07:11 Uhr

Medienschelte vom Profi! Vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Markus Lanz (57) die Berichterstattung aus dem Bundesland ungewöhnlich hart kritisiert und dabei einen überraschenden Vergleich gezogen. "Das kenne ich gut aus den USA", stellte er fest und schilderte eine besonders beliebte Methode: "Du holst dir als Fernsehteam einen einfacher gestrickten Menschen irgendwo in den Südstaaten, der kann sich nicht so richtig gut artikulieren. Und unterstellst ihm die ganze Zeit, dass er eigentlich ein richtig harter Trump-Wähler ist, ein harter Rechter und so weiter."

Talkmaster Markus Lanz (57) im Gespräch mit Autorin Sabine Rennefanz (52)

Erwünschtes Ergebnis, so Lanz: "Dann sagen die Leute manchmal, weil sie es auch rhetorisch und intellektuell nicht hinkriegen, komisches Zeug und sind völlig überfordert mit dieser Situation. Sie sagen dann teilweise hässliche Sachen, weil man sie ihnen so unterschiebt. Man bringt sie dazu, diese Dinge zu sagen. Und fährt dann nach Hause nach New York oder Washington und sagt: Guck mal, was für stumpfe, dumme Typen diese ganzen Trump-Wähler sind."

"So ist der Osten nicht"

"Das hat die Leute wahnsinnig verletzt", erklärte der Talkmaster dazu. "Und ich sehe solche Reportagen auch jetzt und denke immer: Ich weigere mich zu glauben, dass der gesamte Osten so sein soll. So ist er nicht! Da müssen wir doch auch als Medien aufpassen, welches Bild wir da zum Teil zeichnen!"

"Man hat in den liberalen Medien ein totales Schuldbewusstsein entwickelt", behauptete "Zeit"-Journalistin Mariam Lau (64). Doch Lanz fragte gleich auf den Punkt: "Wie ist das in Bezug auf Ostdeutschland? Ich habe das Gefühl, wir arbeiten da mit so klischeehaften Zuschreibungen, da wird der vermeintlich doofe Ossi vorgeführt: Guck mal, was für ein stumpfer Typ - und der wählt jetzt natürlich AfD. Und alle braun im Osten. Mich nervt das immer wahnsinnig, weil ich denke, so einfach kann man sich das doch nicht machen!"

"Und wenn dann so getan wird, als ob das irgendwie diese DDR-Erfahrung und die Diktatur-Schädigung ist", ärgerte sich Autorin Sabine Rennefanz (52). Lanz in dieselbe Kerbe: "So ein Defekt, so ein komischer. Die wollen nicht als zurückgebliebene Hinterwäldler dargestellt werden!"

"Wir kommen mit diesem Journalismus nicht weiter"

Rennefanz mit einem weiteren Vorwurf: "Mir ist aufgefallen, dass Kollegen hinfahren mit dem Ziel: Ich muss diesen AfD-Politiker irgendwie entlarven im Interview, ich muss zeigen, dass das alles nicht zusammenpasst." Ihre ernste Warnung: "Ich glaube, wir kommen mit diesem Journalismus nicht weiter!" Lanz dazu: "Das sehe ich auch. Auch mit AfD-Wählern auf der Straße. Dieser elitäre intellektuelle Gestus nach dem Motto: Pass mal auf, Dummerchen, jetzt erkläre ich dir mal kurz die Globalisierung, ich erkläre jetzt mal, wie's läuft!"

Marc Felix Serrao (47), Global Reporter bei Axel Springer (u.a. BILD, WELT, Telegraph, Politico, Business Insider) über die Folgen: "Es ist der Eindruck entstanden, dass es nicht darum ging, objektiv zu berichten, sondern Leute vorzuführen. Und dann wird natürlich dichtgemacht."


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