Iran-Krieg Für Zugang zu Trump opfert Rutte seine Würde - und die Nato gleich mit

André Mielke

15.04.2026, 09:59 Uhr

Nato-Generalsekretär Rutte lobt US-Präsident Trump für dessen Vorgehen im Iran. Unser Autor zollt dem Niederländer Respekt für seine grenzenlose Selbstentwürdigung.

Zugang zum US-Präsidenten? Nato-Generalsekretär Mark Rutte (l.) mit Donald Trump.
MANDEL NGAN

Über Roms Kaiser Caligula heißt es, er habe sein Lieblingspferd zum Konsul ernennen wollen. Seinerzeit bekleideten Konsuln nur noch formal das höchste Staatsamt. Politisch hatten sie wenig zu melden. Das wäre, als geruhte die Bundesversammlung, Frank-Walter Steinmeier durch einen repräsentativen Lipizzaner zu ersetzen. Ich fürchte nicht, dass Deutschland dadurch noch funktionsuntüchtiger würde.

Unter Historikern ist jene Legende umstritten. Lange galt sie als Beleg für Caligulas vermutete Geisteskrankheit. Die neuere Schule sagt, seine Idee sei ein Witz gewesen. Machthaberhumor, um Schranzen zu demütigen. Schwer zu sagen. War vor 2.000 Jahren. Die Gelehrten sind ja sogar uneins, ob gegenwärtig der Wahnsinn direkt vor ihnen steht oder am Ende doch Methode hat. Denn gerade rätselt die Welt mehr denn je über den Mentalstatus ihres mächtigsten Mannes: Folgte in Washington auf einen tüdeligen Greis ein megalomanischer Psychopath? Leider mangelt es erneut an handfester Diagnose.

Donald Trump ist immerhin kein Pferdenarr. Und statt einen Golfball zum Kriegsminister zu machen, erwählte er den intellektuell ebenbürtigen Pete Hegseth. Als Trump jüngst drohte, die iranische Zivilisation auszulöschen, trauten viele ihm ohne weiteres zu, das Jahrtausendwerk unverzüglich angehen zu wollen. Trumpversteher indes lobten die Ankündigung als ausgebuffte Kommunikationsstrategie. Für einen Moment beschlich mich obszöne Neugier: Was käme von den treuen Fans nach einer Atombombe auf Teheran? "4D-Schach"? "Art of the Deal"? "Stabiles Genie eben"?

Härter noch als jeden Leitartikler trifft Trumps Verhaltensoriginalität jene, die unmittelbar damit umzugehen haben. Belgiens Premier de Wever klagte diesbezüglich: "Ein glücklicher Vasall zu sein, ist das eine. Ein elender Sklave zu sein, ist etwas anderes." Exakt. Der Vasall ist glücklich, wenn ihm seine Kläglichkeit vom Herrn nicht ständig weltöffentlich aufs Brot geschmiert wird. Wenn der Meister es so aussehen lässt, als wäre seine Beziehung zum Sklaven eine tatü-trara-transatlantische Wertegemeinschaft.

Mark Rutte hat angeblich einen Zugang zu Trump. Der Nato-Generalsekretär suchte den Präsidenten bereits milde zu stimmen, indem er ihn "Daddy" nannte. Zuletzt antwortete er auf die Frage, ob der Angriff auf den Iran den Planeten sicherer gemacht habe: "Absolut, dank der Führung durch Präsident Trump." Der Bundeskanzler ergänzte: "Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren." - Sehr herausfordernd für jemanden, der bei mindestens 37 Grad im präsidialen Colon sigmoideum steckt, bibbernd vor Angst, außerhalb des schützenden Refugiums bald nur noch russische Pelmeni essen zu dürfen.

Vor zehn Monaten bezeichnete Friedrich Merz die Bombardierung Irans als unangenehme, aber nun mal unverzichtbare "Drecksarbeit". Da hatte er wohl noch keine Vorstellung, was Mark Rutte dieser Tage auf sich nimmt, um zu verhindern, dass der westlichen Militärallianz ihr Erziehungsberechtigter stiften geht und die Schutzbefohlenen wehrlos sich selbst überlässt. Dieser Holländer ist bestimmt nur scheinbar völlig schmerzfrei. Mein Respekt vor seiner Hingabe und Selbstentwürdigung kennt keine Grenzen. Hätte ich edles Gleitgel zu vermarkten, ihm zu Ehren taufte ich es, mit Dior-Reklame-Akzent: "Rüttäh pour homme".

Donald Trump: Spezialbegabung für Umbruchsherbeiführung?

Sollte es lange nach dieser durchaus dynamischen Epoche noch Geschichtsschreiber geben, werden sie gut über den heutigen Imperator zu zanken haben. Bringt der Abstand dann - anders als bei Caligula - einen klaren Befund? Ich jedenfalls habe den Insassen des Weißen Hauses nicht von vornherein wie den Gottseibeiuns betrachtet. Eher als Spezialbegabung für Umbruchsherbeiführung. Sogar jetzt noch ringe ich um jedes Gran Hoffnung, zumindest auf den Trümmern seiner Regentschaft könnte dereinst ein Pflänzlein sprießen. Doch ach, meine Versuche, sie werden verzweifelter.

Auf einem Gnadenhof in Ingelheim lebt ein gleichnamiges Dressurpferd. Der Oldenburger-Wallach Donald Trump ist 24 Jahre alt und, wie die Halterin mir versicherte, "ausgeglichen, umgänglich und kooperativ". Ohne mich in US-Belange einmischen zu wollen: Ich hätte eine Idee.


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