Fahrgast kann ihn nur mit Reizgas stoppen: 16-Jähriger prügelt auf Lokführer ein

Von:
Martina Lippl

Stand:02.06.2026, 13:49 Uhr

Brutale Szenen haben sich am Wochenende in einer Regionalbahn in Sachsen abgespielt. Ein Jugendlicher geriet völlig außer Kontrolle.

Polizisten pattroulieren am Frankfurter Hauptbahnhof. (Symbolbild)
© Arnulf Hettrich/IMAGO

Dresden - Die Situation eskalierte in der Regionalbahn am Samstagabend (30. Mai) zwischen Ottendorf-Okrilla-Nord und Laußnitz, teilte die Bundespolizei mit. Ein 16-Jähriger prügelte in einer Regionalbahn auf einen Lokführer ein und trat auf sein Opfer ein. Erst als ein Fahrgast Tierabwehrspray versprühte, wurde der Angreifer gestoppt.

Zuvor hatten der 16-Jährige und sein Begleiter nach Angaben der Bundespolizei gegen 20:30 Uhr verbotswidrig die Gleise überquert. Eine Zugbegleiterin hatte das fotografiert und wurde daraufhin von den beiden im Zug bedrängt. Der Lokführer bemerkte den Vorfall und eilte seiner Kollegin zur Hilfe. Darauf folgte ein gewalttätiger Angriff.

Schockmoment im Regionalzug: Betrunkener Jugendlicher (16) prügelt auf Lokführer ein

16-Jähriger greift Lokführer und Zugbegleiterin in Regionalbahn an (Symbolbild)
© Sven Hoppe/dpa

"Der 16-jährige Ukrainer griff den Lokführer sofort massiv an, schlug ihm ins Gesicht, drückte ihn zu Boden und trat auf ihn ein", so die Bundespolizei. Durch das Reizgas wurden der Lokführer, die Zugbegleiterin und ein weiterer Bahnreisender an Augen und Atemwegen verletzt.

Der alkoholisierte 16-jährige Angreifer sprang aus dem Zug und wurde in einem naheliegenden Waldstück durch die Landespolizei gestellt. Er führte ein verbotenes Einhandmesser mit sich, das sichergestellt wurde. Im Anschluss an die polizeilichen Maßnahmen wurde der Jugendliche seiner Mutter übergeben. Seine ebenfalls betrunkene Begleitperson wurde kurz darauf durch die DB-Sicherheit aufgegriffen und dem Jugendnotdienst übergeben.

Es ist nicht der einzige Vorfall. Bereits am Freitagabend (29. Mai) hatte ein Unbekannter vier Jugendliche in einem Regionalexpress nahe Dresden attackiert und drei von ihnen verletzt. Der Angreifer konnte unerkannt fliehen. Die Bundespolizei sucht nun Zeugen von beiden Vorfällen.

Brutale Angriffe auf Lokführer - Gewerkschaft fordert Doppelbesetzung

Nach einem tätlichen Angriff eines 16-Jährigen auf einen Lokführer in Sachsen hat die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erneut Konsequenzen gefordert. "Die wichtigste Maßnahme wäre die Doppelbesetzung, damit kein Zugbegleiter mehr allein auf dem Zug arbeiten muss", sagte der stellvertretende Vorsitzende der EVG, Kristian Loroch der Nachrichtenagentur dpa. "Ein Drittel der Bahn-Beschäftigten denkt schon jetzt daran, wegen der Sicherheitslage den Job zu wechseln."

Gewalt in Zügen gegenüber Bahnmitarbeitern und Reisenden ist kein Einzelfall. Der tödliche Angriff im Februar 2026 auf einen Zugbegleiter der Deutschen Bahn löste Bestürzung und eine Debatte über Bahngewalt und Schutzmaßnahmen aus.


Quelle: Merkur