Es geht um 2300 Milliarden Euro!: Die Beamten-Bombe

Marius Kiermeier

Hildburg Bruns

07.06.2026 - 04:27 Uhr

Für zukünftige Pensionen müsste der Staat 2 Billionen Euro zur Seite legen. Doch das Geld wird woanders verprasst

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Berlin - Deutschland sitzt auf einer gewaltigen Pensionsbombe. Sie steht nicht als Kredit in der Schuldenstatistik, wird die Haushalte von Bund und Ländern aber über Jahrzehnte massiv belasten: die Pensionen für Beamte!

Nach Berechnungen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) liegt der Barwert der Pensionszusagen von Bund und Ländern bei weit über 2 Billionen Euro. Tendenz: steigend. Barwert heißt: Es ist nicht die Summe, die der Staat in einem Jahr überweisen muss. Es ist das Geld, das der Staat für künftige Pensionsversprechen zurücklegen muss. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt 2025 umfasst gut 500 Milliarden Euro - nicht einmal ein Viertel dieses geschätzten Werts.

Allein beim Bund belief sich der Barwert Ende 2024 auf 903 Milliarden Euro. Tobias Hentze, Volkswirt und einer der führenden Experten am IW, rechnet gegenüber BILD vor: Wenn die Lasten bei den Ländern ähnlich gestiegen sind, kommt man für Bund und Länder auf rund 2,3 Billionen Euro.

"Massenverbeamtungen fallen Steuerzahlern schwer auf die Füße"

Will nach einem Urteil aus Karlsruhe die Beamtenbezüge anheben: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU)
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Der Bund der Steuerzahler warnt: Pensionen und Beihilfe - also Zuschüsse zu Krankheitskosten - kosten schon heute rund 120 Milliarden Euro. Jedes Jahr.

Steuerzahler-Präsident Reiner Holznagel (49) zu BILD: "Verbeamten, verbeamten, verbeamten - das war und ist leider das Motto!" Der Staat stelle heute Beamte ein, verschiebe aber einen großen Teil der Kosten in die Zukunft. Holznagel: "Die Massenverbeamtungen fallen uns Steuerzahlern schwer auf die Füße - und leider kommt ein Großteil der Rechnung den kommenden Generationen zu."

Dahinter steckt ein gefährlicher Fehlanreiz. Für Angestellte zahlt der Staat sofort Sozialbeiträge. Ein Beamter sieht im Haushalt zunächst billiger aus. Die große Rechnung kommt erst viel später, vor allem mit den Pensionen. Dann ist die Regierung, die ihn verbeamtet hat, längst nicht mehr im Amt. Zahlen müssen andere ...

Auch die Stiftung Marktwirtschaft erkennt darin ein Grundübel: Politiker hätten bei Beamten-Einstellungen den Nutzen, verschöben aber einen großen Teil der Kosten "auf eine ferne Zukunft". Guido Raddatz, Leiter Arbeitsmarkt, Bildung und Soziale Sicherung, spitzt zu: "Eher legt ein Hund einen Wurstvorrat an als ein Landespolitiker eine Pensionsrückstellung."

Selbst wenn es Rücklagen gibt, werden sie verfrühstückt: Schleswig-Holsteins Landesregierung bediente sich an einem Fonds, der für Pensionsansprüche der vielen Baby-Boomer gedacht war, stopfte mit den 300 Millionen Euro Haushaltslöcher.

Dabei wächst die Last immer weiter: Fast zwei Millionen Beamte, Richter und Soldaten erwerben Ansprüche auf spätere Versorgung. Beim Bund sind 57 Prozent der Beschäftigten Beamte, bei den Ländern 51 Prozent.

Daten des Sachverständigenrats, der die Bundesregierung berät, zeigen: Die Ausgaben für Beamtenversorgung steigen langfristig: von 1,55 Prozent (2010) der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung (BIP) auf 2,2 Prozent im Jahr 2080.

Brisant wird die Debatte auch, weil Pensionäre im Alter besser abgesichert sind als viele Rentner. Beamte erhalten in der Regel 71,75 Prozent ihrer letzten Bezüge als Pension. Ihr durchschnittliches Ruhegehalt aktuell: 3416 Euro brutto im Monat. Die Standardrente nach 45 Jahren Vollzeit liegt dagegen nur bei 1836 Euro brutto.

"Keine Rentenreform ohne Pensionsreform!"

Auch beim Armutsrisiko zeigt sich der Unterschied. Nach IW-Berechnungen lag es 2023 bei Pensionären bei 3,3 Prozent, bei Altersrentnern der gesetzlichen Rentenversicherung bei 17,8 Prozent.

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Der Beamtenbund dbb hält die Vergleiche für falsch. Bundesvorsitzender Volker Geyer (60) spricht gegenüber BILD von "Äpfeln mit Birnen". Doch auch er sieht die Politik in der Verantwortung: "Das Problem sind die unzureichenden Rückstellungen durch die Politik." Der Griff in Versorgungsrücklagen für Haushaltslöcher sei "absolut verantwortungslos".

Sicher ist: Die Pensionen müssen gezahlt werden. Offen ist, was dafür fehlt - bei Schulen, Sicherheit, Investitionen oder beim Steuerzahler. Holznagels Forderung: "Keine Rentenreform ohne Pensionsreform!"


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