Energiepolitik Demontage in Lubmin: Frühere Nord-Stream-Anlage wird humanitäre Hilfe für Kiew

30.04.2026, 14:40 Uhr 2 Min

Eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage der Nord-Stream-Pipelines in Lubmin soll abgebaut und an einen ukrainischen Kraftwerksbetreiber abgegeben werden. Vor Ort erfolgt Kritik.

Ein Blick auf die Anlandestation für die Nord Stream 2-Pipeline. (Archivbild, 16.07.2020)
© Norbert Fellechner/Imago

Die Industriekraftwerk Greifswald GmbH, eine Tochter zweier Energieunternehmen, will eine bislang als Reserve vorgehaltene Anlage in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) demontieren und über den dortigen Industriehafen außer Landes bringen. Das geht aus einem Schreiben von Lubmins Bürgermeister Axel Vogt hervor, das dem Nordkurier vorliegt.

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Die Anlage erwärmte bis 2022 das über die Nord-Stream-Pipelines aus Russland angelandete Erdgas und erzeugte dabei Strom. Nach dem Ende der russischen Gaslieferungen im September 2022 sei sie zunächst als Reserve genutzt, der Betrieb 2023 dann eingestellt worden, teilte Christoph Gottstein, Sprecher des Mitgesellschafters Sefe Securing Energy for Europe, mit.

Da sich keine Wärmeabnehmer und kein Käufer gefunden hätten, werde das Kraftwerk "im Rahmen der humanitären Hilfe einem ukrainischen Kraftwerksbetreiber als Selbstabholer zur Verfügung gestellt". Rückbau und Verschrottung wären laut Gottstein teurer gewesen. Die Betreibergesellschaft solle nach dem Abtransport liquidiert werden.

Bürgermeister sieht politische Brisanz

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Vogt verwies in seinem Schreiben auf die mögliche politische Tragweite des Vorgangs. Der Standort sei für ein solches Kraftwerk aus seiner Sicht "sehr gut geeignet". Zugleich erinnerte er an die Feststellung des Bundesgerichtshofs, wonach die Sprengungen der Nord-Stream-Leitungen "höchstwahrscheinlich im Auftrag des Staates Ukraine erfolgten". Der Abtransport müsse "zwingend über den Industriehafen Lubmin erfolgen", einen Hafen mit hohen Sicherheitsstandards. Auf Nachfrage erklärte Vogt, ihm fehle ein Kommunikationskonzept, das ihm "bis heute nicht vorgelegt wurde".

Der AfD-Landtagsabgeordnete Nikolaus Kramer, zugleich Mitglied im Kreistag Vorpommern-Greifswald, nannte den Vorgang "absurd". Während seine Fraktion im Kreistag den Landrat auffordern werde, sich für den Bau eines neuen Gaskraftwerks in Lubmin einzusetzen, solle "genau dort eine voll funktionsfähige KWK-Anlage abgebaut und an die Ukraine verschenkt werden", sagte Kramer. Die Anlage, die auf dem Areal des früheren Kernkraftwerks Lubmin steht, hätte aus seiner Sicht der Energiesicherheit in Deutschland dienen sollen.


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