Die geheime Geld-Liste für Berlin: So viel Nachschlag gibt's für Beamte

Hildburg Bruns

18.08.2026 - 06:37 Uhr

Berlin - Jahrelang wurden Beamte verfassungswidrig niedrig bezahlt. Jetzt reicht es ihnen. In Berlin trommeln sie für eine Großdemo vor dem Parlament der Hauptstadt in zehn Tagen. Dabei liegt die Tabelle mit den geplanten Nachschlägen für ihre mickrigen Besoldungsjahre von 2008 bis 2020 schon bei Politikern in der Schublade - aber noch unter Verschluss. BILD zeigt exklusiv, welche Nachzahlungen auf die Grundgehälter derzeit geplant sind.

Auch sie werden künftig von einer höheren Besoldung profitieren: Berliner Polizeibeamte bei der Vereidigung in der Philharmonie
Foto: IMAGO/Berlinfoto

Für einen Polizeimeister (A7) wären es für die kompletten 13 Jahre genau 19.406 Euro brutto Nachzahlung, für einen Senator (B11) bis zu maximal 123.256 Euro brutto (für 13 Dienstjahre). Voraussetzung für die vollen Beträge ist allerdings, dass man zuvor Widerspruch gegen seine Besoldung eingelegt hat - je früher, desto mehr Geld gibt es. Die sogenannte Reparatur der amtsangemessenen Bezahlung verlangte das Bundesverfassungsgericht im September 2025.

Berlin ist kein Einzelfall. "Wir befürchten, dass das gesamte Besoldungsgefüge bundesweit angehoben werden muss", sagt Alexander Kraus (55) vom Bund der Steuerzahler Berlin. Denn es geht nicht nur um Nachschläge für die Vergangenheit, sondern auch um deutliche Anhebungen für die Zukunft. Die logische Folge aus Sicht des Steuerzahlerbundes: "Wir fordern, den Beamtenstatus nur noch bei hoheitlichen Kernaufgaben wie Polizei, Justiz und Finanzverwaltung anzuwenden, wo der Staat unmittelbar Recht und Gesetz vollzieht." Das würde die Zahl der Beamten deutlich verringern.

"Nachschläge sind zu niedrig"

Der Kreuzberger Polizeihauptkommissar Alexander Klimmey (57) ist nicht zufrieden: "Aus meiner Sicht genügen die geplanten Nachschläge nicht dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Sie sind zu niedrig." Der verheiratete Vater hat immerhin schon eine vorgezogene Nachzahlung in Höhe von 17.070 Euro bekommen - aber nur auf den Familienzuschlag. Denn er gilt mit einem Sohn und zwei Töchtern als kinderreich. Fakt ist: Zu den Nachschlägen für die Grundgehälter (siehe Liste) kommen noch dicke Nachzahlungen für Familien. Zum Beispiel bei Verheirateten mit Kindern in einzelnen Jahren (2018, 2019, 2020) pro Monat (!) deutlich mehr als 1000 Euro.

Wie kam es zu den niedrigen Bezügen?

Der frühere Finanzsenator Thilo Sarrazin (81, bis 2020 SPD) erinnert gegenüber BILD an die damalige Haushaltsnotlage Berlins: "Zu den zahlreichen Maßnahmen, um dieser zu begegnen, gehörte auch, dass für Beamte ab 2003 das 13. Monatsgehalt und das Urlaubsgeld gestrichen wurden. Stattdessen gab es für alle Besoldungsgruppen ein einheitliches Weihnachtsgeld von 640 Euro. Die letzte Besoldungserhöhung für Beamte fand in meiner Amtszeit (a.d.R. bis 2009), zum 1. August 2004 statt. Angesichts der Berliner Haushaltsnotlage war dies geboten und gerechtfertigt."

Alexander Klimmey (57) ist als GdP-Gewerkschaftler aktiv. Er ging Jahrzehnte in Kreuzberg auf Streife, erlebte Gewalt und Elend. Im Dienst trug er gebrochene Rippen und eine Schädelprellung davon. Inzwischen ist er Schwerbehinderten-Vertreter
Foto: Sven Meissner

Thilo Sarrazin (81), Berlins früherer Finanzsenator
Foto: Peter Müller

Die Nachzahlungen kosten Milliarden Euro

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Die anstehenden Nachzahlungen kosten Berlin je nach Zahl der berücksichtigten Beamten zwischen 1,3 und 7,2 Milliarden Euro. Dazu Sarrazin: "Die heutige Finanzlage von Berlin ist erneut schwierig. Die jährlichen Ausgaben haben sich seit meinem Ausscheiden aus dem Amt des Finanzsenators von 20,6 Mrd. Euro (2009) auf 41,4 Mrd. Euro (2025) verdoppelt. Ohne die von 2002 bis 2009 erbrachte Konsolidierungsleistung wäre die heutige Finanzlage Berlins katastrophal und das Land erneut in einer Haushaltsnotlage."


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