Bundeswehr-Krach um "Liebesgeneral": Feldjäger-Chef beförderte eigene Lebensgefährtin

Miriam Hollstein

Moritz J. Müller

18.06.2026 - 10:27 Uhr

Berlin - Wie gut hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) seinen Laden im Griff? Nach dem Skandal um einen ranghohen Admiral, der auffällig viel Zeit im Homeoffice verbrachte, gibt es jetzt neuen Ärger in der Bundeswehr. Nach BILD-Informationen soll ein Brigadegeneral seine eigene Lebensgefährtin beurteilt und befördert haben. In der Truppe rumort es deshalb.

Brigadegeneral Sandro Wiesner (59)
Foto: Bundeswehr

Eigentlich eine ganz normale Szene bei der Bundeswehr: Brigadegeneral Sandro Wiesner (59) heftet einer Offizierin fröhlich die neuen Dienstgradabzeichen auf die Schultern. Die Frau: Katja T. Die erste Frau Oberst in der Geschichte der Feldjägertruppe. Doch in der Bundeswehr wirft das Instagram-Video aus dem Dezember 2025 Fragen auf. Denn nach BILD-Informationen ist T. die Lebensgefährtin ihres obersten Vorgesetzten Wiesner - und der soll sie auch selbst beurteilt haben.

Seit 2023 ist Wiesner Brigadegeneral und damit ranghöchster Feldjäger. Zuvor war er mehrere Jahre in der Personalführung tätig, verfügt über ein hervorragendes Netzwerk bis in höchste Kreise. In der Truppe hat er den Ruf, ein guter Manager, aber fordernd zu sein und sich mit loyalen Vertrauten zu umgeben.

General schrieb Partnerin die Beurteilung

Katja T. stieg in der Feldjägertruppe vergleichsweise schnell auf. Zunächst als stellvertretende Regimentskommandeurin in Berlin, später im Verteidigungsministerium. Bereits während ihrer Zeit in Berlin gehörte sie in der Befehlskette zum Verantwortungsbereich von Wiesner. Dass sie mit diesem auch schon länger in einer Partnerschaft lebt, war nach Informationen von BILD in der Truppe bekannt. Liebe am Arbeitsplatz - das kommt auch in der Bundeswehr vor.

In einem öffentlichen Video legt Wiesner seiner Lebensgefährtin die neuen Abzeichen an
Foto: Instagram

Ungewöhnlich jedoch: T. blieb Wiesner nicht nur weiter unterstellt, er beurteilte sie auch selbst - als Zweitbeurteilender. Obwohl ihm nach BILD-Informationen im Vorfeld davon abgeraten worden sein soll.

"Dann können wir den Laden dichtmachen"

T.s Beförderung zum Oberst wurde möglich, weil sie in ihrer Beurteilung in die Spitzengruppe eingestuft wurde. Inzwischen ist sie stellvertretende Kommandeurin an der Feldjäger-Schule in Hannover - ebenfalls im direkten Verantwortungsbereich von Wiesner. Zwischen beiden steht in der Hierarchie nur eine Person.

Das wirft in der Truppe immer mehr Fragen auf. Zumal auch bei den Feldjägern üblicherweise in Fällen von möglichen Interessenkonflikten rigoroser vorgegangen wird. So wurde ein Soldat, der mit seiner Kompaniechefin anbandelte, in eine andere Einheit versetzt.

Ein Soldat zu BILD: "Bei der normalen Truppe wird penibel auf Interessenskonflikte geachtet. Seltsam, wenn das auf Leitungsebene lascher ausgelegt wird. Wenn die Beurteilung nicht zu 100 Prozent transparent erfolgt, können wir den Laden dichtmachen." Und ein Feldjäger moniert: "Da wird mit zweierlei Maß gemessen."

Vor mehreren Monaten beschwerte sich eine Soldatin sogar schriftlich bei der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl (57, SPD). T. würde "ihre private Situation für dienstliche Belange nutzen".

Bundeswehr verschärft Regeln zu Befangenheit

Drückt Pistorius ein Auge zu? Am "Vorgang Wiesner" hat sich bei der Truppe offenbar keiner gestört
Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Das zuständige Unterstützungskommando der Bundeswehr will sich auf BILD-Anfrage grundsätzlich nicht zu Einzelpersonalangelegenheiten äußern. Private Beziehungen zwischen Soldaten seien prinzipiell zulässig und nicht meldepflichtig. Auf Nachfrage bestätigte ein Sprecher lediglich, dass der Kommandeur des Kommandos Feldjäger grundsätzlich Zweitbeurteiler für Stabsoffiziere der Feldjägerregimenter ist. Sprich: Wiesner hat keine Vorschrift verletzt.

Aber: Das Unterstützungskommando verweist in seiner Antwort an BILD ausdrücklich darauf, dass die Bundeswehr ihre Regeln zu möglicher Befangenheit in Beurteilungsverfahren verschärft habe. Datum der Verschärfung: im April 2026 - nach der Beförderung von T. durch Wiesner. BILD liegt die entsprechende Vorschrift vor. Darin heißt es: Zweifel an einer "neutralen Bewertung" könnten sich ergeben, "wenn zwischen dem Beurteilenden und der Soldatin bzw. dem Soldaten besondere Beziehungen bestehen, die weit über das dienstliche Verhältnis hinausgehen (z. B. Verwandtschaft, Freundschaft, Partnerschaft, Rechtsstreit, privates Zerwürfnis)".


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