Annalena Baerbock Jede blamiert sich, so gut sie kann

Von
Anna Schneider
Chefreporterin

Stand: 28.02.2026 10:21 Uhr Lesedauer: 3 Minuten

Annalena Baerbock, die gerne vor Fake News warnt, erklärt Grönland zum EU-Territorium, spricht von "1,3 Milliarden Europäern" oder erklärt Russland aus Versehen den Krieg. Ziemlich flexibel, diese Fakten.

WELT-Autorin Anna Schneider
Quelle: Wojciech Pierkiel

Die EU ist, was man möchte, das sie ist. So oder so ähnlich träumte wohl gerade Annalena Baerbock vor sich hin, als sie am Dienstagabend in Sandra Maischbergers Sendung saß, offenbar total erfüllt von ihrer internationalen Rolle als Präsidentin der UN-Generalversammlung. Da kann es schon einmal passieren, dass man die Grönländer flugs in den Schoß der Brüsseler Bürokratieproduktionsmaschinerie aufnimmt. Die klare Haltung, mit der gesagt worden sei: "Stopp mal, Grönland ist auch EU-Gebiet", habe großen Einfluss auf die öffentliche Meinung in den USA in dieser Frage gehabt, sagte die ehemalige grüne Außenministerin.

Wären da nur nicht diese Fakten, vor deren Verzerrung Baerbock in derselben Sendung noch gewarnt hatte. Wenn man anfange, über "Wahrheit und Unwahrheit" zu verhandeln, "dann kommen wir einfach in Teufels Küche", hatte sie gesagt, zwar in Bezug auf die russische Invasion in der Ukraine, aber man wird wohl annehmen dürfen, dass das mit der Wahrheit auch für die Grönländer gilt.

Die sind allerdings gar nicht in der EU, worauf Maischberger auch direkt und dezent hinwies. Grönland gehört zum Königreich Dänemark, ist aber seit 1985 kein Teil der Europäischen Gemeinschaft mehr, es zählt vielmehr zu den sogenannten Überseeischen Ländern und Gebieten und unterliegt damit nicht unmittelbar dem EU-Recht.

"Fakten, immer kompliziert"

Baerbock allerdings ruderte munter weiter, von Gedanken an den Teufel oder seine Küche doch eher ungestört. Grönländer seien EU-Bürger, "damit haben sie auch die Außengrenze der EU". Die Insel gehört nur leider auch nicht zum Schengenraum. "Fakten, immer kompliziert", sagte Maischberger. Irgendwann muss man wohl einfach aufgeben.

Denn die Liste wird ja doch nur länger, und sie klingt teilweise wirklich wie direkt dem Träumeland entsprungen: Vom "Speck der Hoffnung", also vom "Bacon of hope" sprach Baerbock schon, oder von einem sagenumwobenen Rohstoff namens "Kobold", von einer "360-Grad-Wende", von "1,3 Milliarden Menschen in Europa" oder von der "Fressefreiheit" (was für eine tolle Wortschöpfung, in der Tat). Mit derart locker-verträumter Zunge passieren allerdings auch - zumindest vom diplomatischen Parkett aus gesehen - weniger lustige Dinge wie "Wir kämpfen einen Krieg gegen Russland", wovon bis dahin im Jahr 2023 irgendwie sonst noch niemand gewusst hatte.

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Das Erstaunlichste an all diesen Malheurs ist ja, dass Annalena Baerbock das offenbar nicht so sieht, also, das mit dem Aufgeben. Eigentlich darf man sogar eher vom Gegenteil ausgehen, wenn man sich Videos wie etwa jenes vom zweiten Februar diesen Jahres ernst nimmt, in dem Baerbock via X direkt in die Kamera spricht: "Frauen müssen ihre Anwesenheit in Machtpositionen oder ihre Fähigkeit, eine Organisation wie die Vereinten Nationen zu leiten, nicht rechtfertigen", hört man da.

Was für ein Blödsinn. Natürlich müssen sie das, wie Männer übrigens auch. Aber so etwas passiert wohl, wenn man Brüsten mehr Aufmerksamkeit schenkt als der jeweiligen Gehirnwindung.

Und das tun eben manche weiterhin, unbeirrbar. Muss ja auch toll sein, diese völlige Befreitheit von jeglicher Art der Selbstreflexion, mehr Zeit für neue Wörter und alte Gedanken. So sagte Baerbock dieser Tage bei einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrates, dass die Hälfte der Weltbevölkerung weiblich sei und ein Recht auf eine Vertretung habe. In der 80-jährigen Geschichte der Weltorganisation sei noch keine Frau als Generalsekretärin berufen worden. Die Frage stelle sich, warum bislang nur Männer diese Position bekleidet hätten.

Schau mal, wer da spricht.


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